Vernehmlassungen
Minarettverbots-Initiative
Die Schweizerische UNESCO-Kommission nimmt das Ergebnis der Abstimmung, bei der ein Verbot des Baus von Minaretten in der Schweiz beschlossen wurde, zur Kenntnis und:
- weist darauf hin, dass sich die UNESCO seit ihrer Gründung unermüdlich für die Völkerverständigung einsetzt. Schon die Präambel zu ihrer Verfassung von 1945 erklärte, dass "das mangelnde gegenseitige Verstehen der Völker im Laufe der Geschichte stets Argwohn und Misstrauen zwischen den Nationen hervorgerufen hat, so dass ihre Meinungsverschiedenheiten allzu oft zu Kriegen geführt haben".
- unterstreicht, dass unser Land in der UNESCO sehr präsent ist. Die Behörden setzen sich auf nationaler und internationaler Ebene aktiv für die Umsetzung der Ziele ein, die sich die UNESCO gesetzt hat. Insbesondere setzen sie sich für die kulturelle Vielfalt und den Dialog zwischen den Kulturen ein und fördern so den Frieden.
- bekräftigt, dass die Schweizerische UNESCO-Kommission grossen Wert darauf legt, den Dialog und den Respekt zwischen den verschiedenen Gemeinschaften in der Schweiz zu fördern, insbesondere bei der jungen Generation. Dafür setzt sie sich im Rahmen der verschiedenen Aktivitäten, die sie durchführt und auch weiterhin durchführen wird, unermüdlich und entschlossen ein, insbesondere im Jahr 2010, das von den Vereinten Nationen zum Internationalen Jahr für die Annäherung der Kulturen erklärt worden ist.
Zur Abstimmung vom 29. November 2009 äussert sich die Schweizerische UNESCO-Kommission wie folgt:
- Die Probleme, die durch die Volksabstimmung angesprochen werden, sind weniger realer als symbolischer Natur. Der Islam wird in unserem Land genau wie in unseren Nachbarländern von Individuen gelebt und muss zu einer Annäherung der Kulturen führen.
- Kein Glaube, keine Ideologie und kein politisches Projekt, was immer sie bezwecken, ist vor fundamentalistischen Tendenzen gefeit. Die populistische Stigmatisierung einer ganzen Gruppe, bei der solche bedauerlichen Tendenzen gleichgesetzt werden mit einer viel positiveren Realität, kann in jeder Gesellschaft zu Konflikten führen. Es ist wichtig, dass wir eine solche Stigmatisierung nicht fördern.
- Das Bild und die Wahrnehmung des Islam sind seit einem Jahrzehnt allzu sehr durch aktuelle internationale Ereignisse geprägt. Dieses Bild unterschätzt oder negiert die Anstrengungen der überwältigenden Mehrheit der Muslime, sich anzupassen und sich in unsere Gesellschaft zu integrieren. Die Schweiz, deren Geschichte als Einwanderungsland durch Toleranz und Austausch geprägt ist, wird ihnen auch weiterhin im Geiste des Verständnisses und des Dialogs Aufnahme bieten.

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