Stiftsbezirk in St. Gallen

- Barocksaal. Bildquelle: www.stibi.ch
Es war im Jahre 612, als sich der irische Mönch Gallus und sein Lehrer Columban auf Reise befanden. Am Bodensee musste Gallus zurückbleiben, weil er krank war, sein Lehrer zog nach Italien weiter.
Wo heute die barocke Klosterkirche von St. Gallen steht, baute der irische Mönch Gallus für sich eine Eremiten-Zelle und eine Holzkirche.
Wie aus dieser Zelle das Kloster St. Gallen wurde, beschreibt der Reichenauer Mönch und Dichter Walafried Strabo in seiner Gallus-Vita aus dem Jahre 835. Nach ihr hat der alemannische Priester Otmar (719-759) - 100 Jahre nach dem Tod des Heiligen - an dessen Grab das Kloster nach den Regeln des heiligen Benedikt gegründet.
Unter dem Schutz von Kaiser und Königen und geleitet von hochbegabten Äbten entwickelte sich das Kloster zu einem der bedeutendsten geistigen Zentren Europas. Höhepunkt war das so genannte Goldene Zeitalter vom 9. bis zum 10. Jh. Damals wurde das Kloster unabhängig, Wohltäter schenkten ihm Ländereien und unterstützten es mit Geld.
- um 720 Klostergründung
- 816-837 Benediktinerabtei
- 9. bis 11. Jh. Goldenes und Silbernes Zeitalter
- 926 Überfall von St. Gallen durch die Ungaren
- 937 Feuersbrunst mit schweren Schäden
- 1524 Reformation in der Stadt St. Gallen
- 1755-66 Domkirche mit der aus dem 10. Jh. stammenden Krypta und Gräbern aller St. Galler Bischöfe
- 1758-67 spätbarocke Stiftsbibliothek
- seit 1846 Bischofssitz

- Irisches Evangeliar, kurz nach 750 in Irland selbst oder auf dem Festland geschaffen. Bildquelle: www.stibi.ch
Die Stiftsbibliothek St. Gallen besitzt die wertvollste Sammlung irischer Manuskripte auf dem europäischen Kontinent. Das irische Evangeliar gehört zu den schönsten Beispielen irischer Buchkunst. Es enthält die Texte der vier Evangelien in einer lateinischen Mischfassung verschiedener Übersetzungen der Bibel, der Text ist mit zwölf ganzseitigen Bildern und Schrifttafeln geschmückt.
Herzstück der Stiftsbibliothek St. Gallen (mit einem Bestand von 150.000 Bänden) ist der einzigartige Handschriften-Bestand.

- Lapidarium. Bildquelle: www.stibi.ch
Rund 2000 werden hier aufbewahrt (über 400 von ihnen sind mehr als 1.000 Jahre alt) und ermöglichen die Rekonstruktion des geistigen und kulturellen Leben des Klosters vom Frühmittelalter bis 1805 (Aufhebung der Mönchsgemeinschaft). Wichtige ergänzende Hinweise enthalten auch die Urkunden des Stiftsarchivs.
Das Lapidarium des Klosters St. Gallen zeigt eine bedeutende Sammlung mittelalterlicher Architekturplastik. Ausgestellt sind karolingische und ottonische Werkstücke des 9. und 10. Jh. und Spolien des 15. - 17. Jh. Die frühmittelalterlichen Kapitelle und Kämpfer gehören zu den glanzvollsten und monumentalsten Zeugnissen karolingischer Architekturplastik.

- Klosterplan. Bildquelle: www.stibi.ch
Durch die Ausgrabungen in den 60er Jahren wurden die Kenntnisse über die mittelalterliche Klosteranlage (erbaut um 830) ergänzt. Seither ist es möglich, sie soweit zu rekonstruieren, dass sie mit dem karolingischen Klosterplan (um 820), der in der Stiftsbibliothek ausgestellt ist, verglichen werden kann. Dieser weltweit älteste Bauplan wurde um 830 im Kloster Reichenau gezeichnet und zeigt, wie das Kloster St. Gallen idealerweise hätte aussehen sollen. Er wurde so aber nie verwirklicht, die Kirche wäre viel zu gross geworden. Gebaut wurde sie stattdessen nach Grössenangaben, die zusätzlich auf dem Plan eingetragen sind.

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