Geschichte, Ziele, Aufgaben und Struktur
Biosphären sind Freiluftlabore, um innovative Methoden zu testen und vorzustellen, wie Natur und menschliche Nutzung durch optimales Management in Einklang gebracht werden können.
Geschichte der Biosphären
Das UNESCO-Programm Der Mensch und die Biosphäre (MAB) wurde am 23. Oktober 1970 von der 16. Generalkonferenz der UNESCO ins Leben gerufen. Eines der ersten Projekte des MAB-Programms war die Konzipierung eines Netzwerks von Gebieten, die für die wichtigsten planetaren Lebensräume repräsentativ sein sollten - den "Biosphären".
Der Brundtland-Bericht von 1987, die UN-Konferenz für Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro 1992 und das in dieser Zeit immer klarer gefasste Konzept der nachhaltigen Entwicklung führten 1995 dazu, dass das MAB-Programm und das Weltnetz der Biosphären auf eine neue konzeptionelle Grundlage gestellt wurden. Die 28. UNESCO-Generalkonferenz beschloss 1995 die Sevilla-Strategie und die Internationalen Leitlinien für die Biosphären. Diese verbindlichen Dokumente formulieren Kriterien und Mindestanforderungen zur Aufnahme neuer Mitglieder in das Weltnetz. Ebenso wurde die Zonierung der Biosphären eingeführt und die Notwendigkeit der Erfüllung komplementärer Aufgaben.
Ziele der Biosphären
UNESCO-Biosphären schützen nicht ausschliesslich wertvolle Ökosysteme, wie etwa Nationalparks. Hier wird Natur nicht vor dem Menschen geschützt, sondern für den Menschen und mit dem Menschen erhalten. Die Biosphären ermöglichen, fördern und fordern das nachhaltige Wirtschaften der Menschen und ein tragfähiges gesellschaftliches Zusammenleben.
Die konkreten Ziele der Biosphären sind je nach Gebiet unterschiedlich stark gewichtet und umfassen zum Beispiel:
- Sicherung ökologisch wertvoller Flächen und Vertragsnaturschutz,
- Stärkung des touristischen Profils mit Schwerpunkt sanftem und hochwertigem Tourismus,
- Etablierung von Regionalvermarktungsstrukturen,
- Umstieg auf ökologisch verträgliche Land- und Forstwirtschaft,
- Arten- und Biotopschutzmassnahmen,
- Stärkung der Bildung für nachhaltige Entwicklung,
- Aufbau eines Forschungs- und Monitoringprogramms,
- internationale Kooperation,
- Bewältigung des demographischen Wandels im ländlichen Raum oder
- Klimaschutz.
Aufgaben der Biosphären
Biosphären sollen gemäss den internationalen Leitlinien drei grundlegende komplementäre Funktionen erfüllen:
- Schutzfunktion - um Lebensräume, Landschaften, Arten und genetische Vielfalt zu erhalten;
- Entwicklungsfunktion - um eine wirtschaftliche Entwicklung umzusetzen, die sozio-kulturell und ökologisch nachhaltig ist;
- Logistikfunktion - um Forschung, Monitoring, Bildung und Informationsaustausch zu stärken.
Räumliche Struktur der Biosphären
Charakteristisch für Biosphären ist die Untergliederung in drei Zonen:
- Die Kernzone ist ein strenges Schutzgebiet für die in ihr beheimateten Lebensräume und Landschaften und die dort lebenden Tiere und Pflanzen sowie die biologische Vielfalt. Das Betreten ist in der Regel nur für Forschung, Messungen oder für Bildung gestattet.
- Um die sensible Kernzone möglichst gut von äusseren Einflüssen abzuschirmen, ist sie idealerweise von einer Pflegezone umgeben. Hier sind ökologisch verträgliche Aktivitäten zugelassen wie sanfter Tourismus oder ökologischer Landbau. In der Pflegezone ist auch "Schutz" von grosser Bedeutung, allerdings der Schutz von Lebensräumen, die erst durch menschliche Nutzung entstanden sind. Dies betrifft insbesondere den Erhalt von extensiv genutzten Kulturlandschaften mit vielfältigen Lebensräumen für charakteristische Tier- und Pflanzenarten.
- Die grösste Fläche nimmt in den meisten Biosphären die Entwicklungszone ein. Hier sind grundsätzlich alle Wirtschafts- und Nutzungsformen erlaubt. Dennoch erfüllen die Entwicklungszonen eine äusserst wichtige Multiplikatoraufgabe: durch die gezielte Förderung von Modellprojekten soll für den Umstieg auf nachhaltige Wirtschaftsweisen geworben werden.

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