Sommet mondial pour la société de l'information

Der in zwei Teilen durchgeführte Weltgipfel "Informationgesellschaft" hat sich mit den Konsequenzen der digitalen Revolution beschäftigt.
Die Federführung bei der Durchführung des Weltgipfels hatte die ITU. Die UNESCO hat dazu beigetragen, dass nicht nur technische Aspekte, sondern auch gesellschaftspolitische und soziale Fragen diskutiert wurden. Sie wird auch an der weiteren Umsetzung der Ergebnisse des Weltgipfels mitwirken.
Erster Gipfel 2003 in Genf
Auf dem ersten Gipfel wurden eine Grundsatzerklärung und ein Aktionsplan verabschiedet. Themen in Genf waren vor allem
- die Überwindung der digitalen Kluft
- Kommunikationsrechte und Pressefreiheit als integraler Bestandteil der Menschenrechte
- die steigende Bedeutung von Information und Wissen als Wirtschaftsfaktor
- die Balance zwischen Urheberrechten und dem öffentlichen Zugang zu Wissen
Die Grundsatzerklärung nimmt die vier Prinzipien auf, die die UNESCO als grundlegend für die Förderung moderner Wissensgesellschaften erachtet: Meinungsfreiheit, gerechter Zugang zu Information und Bildung und kulturelle Vielfalt.
Der Schutz des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft wird ebenso festgeschrieben wie der für die Kreativität einer Gesellschaft notwendige Wissensaustausch.
Initiative zur Überbrückung des digitalen Grabens
Die Schweizerische UNESCO-Kommission, die Universität der italienischen Schweiz und RTSI haben 2002 einen Konsultationsprozess eingeleitet um die Hindernisse und Schwierigkeiten zu identifizieren, die Archivare, Bibliothekare, Lehrpersonen und Journalisten in den weniger fortgeschrittenen Ländern in ihrer alltäglichen Arbeit zu überwinden haben.
Auf der Grundlage dieser Untersuchung wurden konkrete Massnahmen entwickelt, um diesen Fachleuten, durch gezielte Ausbildung und bessere technische Mittel, den Zugriff auf Informationen zu erleichtern und sie somit in die Lage zu versetzen, in ihren jeweiligen Kompetenzbereichen an der internationalen Zusammenarbeit teilzunehmen.
Im März 2003 wurde ein Runder Tisch einberufen, an welchem die mit den Konsultationen beauftragten Forscher, Führungskräfte der betroffenen internationalen Berufsverbände, Vertreter der nationalen Organisationen aus den weniger fortgeschrittenen Ländern sowie eine Anzahl nationaler und internationaler Entwicklungsorganisationen teilgenommen haben.
Als Ergebnis der Veranstaltung wurden praktische Vorschläge ausgearbeitet, welche nach einer Konsolidierungs- und Förderungsphase in den offiziellen Aktionsplan des Weltgipfels eingeflossen sind.
Der Genfer Aktionsplan sieht 150 Aktionsbereiche vor, von denen die Hälfte in den Kompetenzbereich der UNESCO fällt. Das WSIS Action Directory gibt einen Überblick über die Aktivitäten der UNESCO im Rahmen des WSIS.
Zweiter Gipfel 2005 in Tunis
Auf dem zweiten Gipfel in Tunis wurden das Tunis Commitment und die Tunis Agenda for the Information Society verabschiedet. Im Mittelpunkt standen die Implementierung der Ergebnisse der beiden Gipfel sowie die beiden Aspekte, über die in Genf noch keine Einigung erzielt werden konnte: Finanzierungsmöglichkeiten zur Überwindung der digitalen Kluft und "Internet Governance", die Aufsicht über die Verwaltung des Internets.
Die beiden von über 170 Staaten verabschiedeteten Abschlusserklärungen bekräftigen, dass die Netzverwaltung multilateral, transparent und demokratisch gestaltet werden soll. Dabei sollen Regierungen, der private Sektor, Zivilgesellschaft und internationale Organisationen einbezogen werden. Der in Tunis erreichte Kompromiss sieht vor, dass die mit der Verwaltung der Internet-Adressen betraute amerikanische Non-Profit Organisation ICANN ihre Arbeit fortsetzt. Ihr wird in Zukunft allerdings ein internationales Forum zur politischen Diskussion aller Interessenvertreter zur Seite gestellt, das der Generalsekretär der Vereinten Nationen einberufen wird. Zum Thema Finanzierung wird festgehalten, dass die Kräfte des Marktes allein die Teilhabe der Entwicklungsländer an Informations- und Kommunikationstechnologien nicht sicherstellen können. Internationale Kooperation und Solidarität sowie in bestimmten Bereichen auch grössere finanzielle Unterstützung sind notwendig. Die Tunis Agenda enthält konkrete Vorschläge zur Steigerung der Effektivität bereits vorhandener Finanzierungsmechanismen. Begrüsst wird zudem der in Genf eingerichtete Digital Solidarity Fund, der sich aus freiwilligen Beiträgen speisen soll.
Die Implementierung der Ergebnisse des Gipfels ist eine gemeinsame Aufgabe von Regierungen, privatem Sektor, Zivilgesellschaft und den Vereinten Nationen. Die UNESCO soll ebenso wie UNDP und ITU massgeblich an der Implementierung beteiligt sein. Als Aufgaben der UNESCO nennt die Tunis Agenda die Bereiche Zugang zu Information und Wissen, Capacity Building, E-learning, E-science, kulturelle und sprachliche Vielfalt und lokale Inhalte, Medien, Informationsethik sowie internationale und regionale Kooperation.

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