2006: Jahr der Wüsten und der Wüstenbildung

Logo des Internationalen Jahres der Wüsten und der Wüstenbildung
Logo des Internationalen Jahres der Wüsten und der Wüstenbildung

Die UNO hat am 23. Dezember 2003 das Jahr 2006 zum Internationalen Jahr der Wüsten und der Wüstenbildung erklärt.


Die Vereinten Nationen sind zutiefst besorgt über die Verschlimmerung der Wüstenbildung, insbesondere in Afrika, und ihre weitreichenden Folgen für die Verwirklichung der MDG, insbesondere in Bezug auf die Beseitigung der Armut. Mit der Benennung dieses Jahres bezweckt die UNO deshalb, die Öffentlichkeit zu sensibilisieren und die biologische Vielfalt der Wüsten sowie die indigenen und ortsansässigen Gemeinschaften und das traditionelle Wissen derjenigen, die von diesem Phänomen berührt werden, zu schützen.


Die Generalversammlung hat das UNCCD, zusammen mit dem UNEP, dem UNDP und dem IFAD sowie weiteren UN-Organisationen mit der Bekämpfung der Wüstenbildung in den betroffenen Ländern beauftragt.

 


Süden von Marokko. Bildquelle: UNESCO, Bernard Nantet
Süden von Marokko. Bildquelle: UNESCO, Bernard Nantet

Wenn Leute das Wort "Wüste" hören, denken die meisten an eine wellige Sand- und Dünenlandschaft unter glühender Sonne oder an einsame Nomaden. Aber es gibt auch viele andere Arten von Wüsten ohne Dünen. So sind die Antarktis oder das Gebiet um den Nordpol vor allem darum Wüsten, weil das Wasser dort zu Eis gefroren ist. Trockene (aride) Zonen findet man sowohl in heissen Ländern, wie in Arabien, als auch in Regionen mit kalten Wintern, etwa in den Steppen Zentralasiens: In beiden Fällen gilt, dass dort im Jahresdurchschnitt mehr Wasser verdunstet als Regen fällt und dass alles Leben sich an diese Gegebenheit anpassen muss.

 

Botschaft von Kofi Annan (*)
Kofi Annan, Generalsekretär der Vereinten Nationen (1997 - 2006)

Die Versteppung stellt offensichtliche und ernste Risiken. Sie beginnt mit der Fruchtbarkeit der Böden, die in einigen Regionen bis 50% von ihrer Produktivität verlieren. Sie trägt zur Unsicherheit der Nahrungsmittelversorgung, zum Hunger und zur Armut bei und kann soziale, wirtschaftliche und politische Spannungen hervorbringen, die ihrerseits Konflikte und eine Verschlimmerung der Armut und der Verschlechterung der Böden bewirken. Nach den derzeitigen Schätzungen wird das Auskommen von mehr als einer Mrd. Personen durch die Versteppung in Frage gestellt, und folglich werden 135 Mio. Personen ihre Anbauflächen aufgeben müssen. Die Armen der Landregionen sind besonders in den Entwicklungsländern besonders verletzbar.


(*) Anlässlich des Tages für die Bekämpfung der Wüstenbildung und der Dürre, am 17. Juni 2004

In Gegenden fast ohne Niederschläge - wie in der Sahara und in der Wüste Gobi - gibt es sozusagen kein Leben. Es sei denn, dass Flüsse von anderswoher durch diese Gebiete fliessen und Bewässerung ermöglichen, wie in Ägypten, im Irak oder am Indus, wo es schon früh bedeutende Kulturen gab, die sich solche Wasserläufe zunutze machten. Eine andere Ausnahme stellen jene Regionen dar, die über fossile Wasservorräte verfügen, von denen man für eine beschränkte Zeit leben kann, wie heute beispielsweise Libyen. Wo genug Regen fällt für etwas Grasland und vielleicht für einige angepasste Kulturen, spricht man von halbtrockenen (semi-ariden) Gebieten, wie sie besonders in Afrika, Indien, Argentinien oder Australien vorkommen.


Die trockenen und halbtrockenen Gebiete bedecken insgesamt mehr als einen Drittel der Kontinente, während das Kulturland kaum einen Zehntel ausmacht. Sie befinden sich vor allem in der subtropischen Zone nördlich und südlich des Äquators. Die geringe Niederschlagsmenge ist hauptsächlich auf Strömungen zurückzuführen, welche durch die Drehung der Erde in der Atmosphäre entstehen.


Versteppte Flusslandschaft in Senegal. Bildquelle: UNESCO, Dominique Roger
Versteppte Flusslandschaft in Senegal. Bildquelle: UNESCO, Dominique Roger

Über dem 30. Breitengrad entstehen fast immer Hochdruckzonen, welche die Bildung von Regenwolken verhindern. In Zentralasien oder im Mittleren Westen von Amerika liegen diese Gebiete zudem weit entfernt von den Ozeanen, und sie sind manchmal auch noch von Gebirgsketten abgeriegelt.


Es ist also nicht der Mensch, der die Wüsten verschuldet hat, wie manchmal behauptet wird. Allerdings trägt er viel zu deren Ausbreitung bei. Besonders in der heutigen Zeit bewirken die ständige Zunahme der Weltbevölkerung sowie die zu intensive Landwirtschaft und Tierzucht beispielsweise in den semi-ariden Gebieten der Sahelzone oder im Nordosten von Brasilien, dass der Boden immer schneller ausgelaugt und die Trockenheit immer extremer wird. Vielleicht beeinflusst der Mensch die Entwicklung dieser Gebiete auch noch auf andere Weise. Es wird angenommen, dass die von Autos, Heizungen und Industrien verursachte Zunahme von Kohlendioxid und anderen Gasen in der Luft die Erde erwärmt. Welchen Einfluss dieses Phänomen auf die einzelnen Regionen haben wird, ist noch nicht abzuschätzen, aber es wäre möglich, dass in einigen Jahrzehnten manche Trockengebiete noch weniger Regen erhalten, andere aber mehr. Damit könnte der Mensch einen Klimawechsel auslösen, der ebenso tiefgreifende Folgen hätte wie die Umwälzungen in früheren Epochen der Erdgeschichte.


Die Vorreiterrolle der UNESCO in der Erforschung der Wüsten

Satelliten-Bild: Mauretanien und Westsahara. Bildquelle: http://modis.gsfc.nasa.gov
Satelliten-Bild: Mauretanien und Westsahara. Bildquelle: modis.gsfc.nasa.gov

Zu allen Zeiten sah sich die Menschheit mit Problemen der Trockenheit konfrontiert, doch die Menschen waren im Laufe der Geschichte stets in der Lage, der Dürre durch einen vernünftigen Umgang mit den verfügbaren Wasservorräten zu begegnen.


All das änderte sich nach dem Zweiten Weltkrieg mit dem Entstehen neuer Staaten mit schwerwiegenden Bevölkerungs- und Ernährungsproblemen. 1948 beschloss die in Beirut durchgeführte Generalkonferenz der UNESCO, einem Antrag Indiens folgend - und zur grossen Überraschung vieler - die Errichtung eines internationalen Instituts für "aride Gebiete". Im darauffolgenden Jahr wurde eine Expertengruppe nach Paris einberufen, die klugerweise nicht die Einrichtung eines zentralen Instituts empfahl. Ein solches wäre von den auf der ganzen Welt verstreuten ariden Zonen zu weit entfernt gewesen. Stattdessen wurde ein internationales Beratungskomitee eingesetzt, dessen erste Sitzung im April 1951 in Algier stattfand. So entstand das spätere "Forschungsprojekt über aride Gebiete".


Nur wenige erinnern sich heute noch an die Ergebnisse dieser Arbeiten. Das aus Wissenschaftern verschiedener Länder und Disziplinen zusammengesetzte Beratungskomitee konnte hochrangige Experten mit relativ bescheidenem Kostenaufwand zur Mitarbeit gewinnen, die in einem Zeitraum von über zehn Jahren einen Katalog von neuen Forschungsansätzen erstellten.


Im gleichen Zeitraum unterstützte die UNESCO die wissenschaftliche Erforschung vor Ort und die Weiterbildung Hunderter Fachleute durch die Vergabe von Stipendien und von Studienaufenthalten. Darüber hinaus betrieb sie ab 1957 vehement die Umwandlung des ursprünglichen Aktionsprogramms in ein mit zusätzlichen finanziellen Mitteln ausgestattetes "Grossprojekt". Dieser neue Status sollte nicht nur die geleisteten Arbeiten besser sichtbar machen, sondern auch interdisziplinäre Studien und die Schaffung von nationalen Forschungszentren für Trockengebiete fördern. So wurden das Indische Nationalinstitut zur Erforschung der ariden Zonen in Jodhpur oder das Israelische Institut für die Wüste Negev in Beersheba unter der Schirmherrschaft der UNESCO gegründet, aber auch andere Institute, wie etwa das Ägyptische Wüsten-Institut in Kairo, mit Unterstützung der Organisation ausgebaut.


Schon die Analyse der Ursachen der Trockenheit, die von der UNESCO durch die Erarbeitung einer neuen Weltkarte vorgenommen und anlässlich der in Nairobi im Jahr 1977 abgehaltenen UN-Konferenz über die Ausbreitung der Wüsten vorgestellt wurde, zeigte die ganze Bandbreite der Klimaverhältnisse: von der extremen Trockenheit der Sand- und Steinwüsten bis hin zu den vielfältigen halbtrockenen oder halbfeuchten Regionen, in denen gewisse Formen der Land- und Weidewirtschaft mit dem Risiko einer mehr oder weniger ernsten Bodenverschlechterung möglich sind.


In der Frage der Wüsten steht das Problem der Wasservorräte an vorderster Stelle, was die UNESCO dazu bewog, ein neues Forschungsprogramm, diesmal auf zwischenstaatlicher Ebene, zu lancieren, das sich mit der Untersuchung der Süsswasserkreisläufe, -mengen und -qualität auf weltweiter Ebene beschäftigen sollte. Dies war die Internationale Hydrologische Dekade, an der zwischen 1965 und 1974 mehr als hundert Länder teilnahmen und aus der das heute noch in Kraft befindliche IHP hervorging.


Eines der herausragendsten Ergebnisse des Grossprojekts war zweifellos das Aufzeigen der komplexen Zusammenhänge zwischen den natürlichen Phänomenen und dem menschlichen Tun und der Notwendigkeit eines interdisziplinären Ansatzes zur Bewältigung der Probleme. Die Verlängerung des Programms über die Trockengebiete im Lichte der gewonnenen Erfahrungen und der hergestellten Kontakte führte zur Zwischenstaatlichen Konferenz über die "rationelle Nutzung und Erhaltung der Ressourcen der Biosphäre" im Jahr 1968 in Paris. Es ging dabei nicht mehr nur um die Trockenzonen, sondern um alle Ökosysteme der Welt. Denn unterm Strich konzentrieren sich die Probleme, die sich heute in allen Teilen der Welt stellen, auf eben jenen Konflikt zwischen dem Funktionieren der Natur und deren Belastung durch den Menschen.


Es war diese Biosphäre-Konferenz, die 1968 erstmals vorschlug, die Nutzung der Natur und ihre Erhaltung miteinander zu versöhnen, das heisst das Konzept einer "nachhaltigen Entwicklung" zu propagieren, das von der UN-Konferenz über Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio in feierlicher Form aufgegriffen wurde. Gleichzeitig wurde ein neues weltweites Forschungsprogramm über "den Menschen und seine Umwelt" gefordert - das MAB-Programm. Dies ist bis heute das wichtigste Instrument, das der UNESCO und ihren Mitgliedstaaten zur Verfügung steht, um mit wissenschaftlich akzeptablen Lösungen jene Probleme anzugehen, die sich aus der Nutzung von Böden und ihren Rohstoffen durch eine Weltbevölkerung ergeben, die auf der einen Seite ständig wächst und auf der anderen Seite ständig begehrlicher wird.


Der Autor, Michel Batisse, Frankreich, ist Physiker, Ingenieur und früherer Vizegeneraldirektor für die Wissenschaften bei der UNESCO. Er war Koordinator des UNESCO-Grossprojekts über die ariden Gebiete. Text-Quelle: Gekürzte Fassung aus UNESCO-Kurier Nr. 1/1994 'Wüsten'.

Orion-Tour

Pünktlich zum Beginn des UNO-Jahres der Wüste startet Multisportler, Visionär und Grenzgänger Andrea Vogel seine äusserst anspruchsvolle und kulturell spannende Expedition durch die grösste Wüste der Erde: die Sahara. Der Startpunkt bildet die sagenumwobene Stadt Timbuktu in Mali. Das Ziel ist die Handelsstadt Marrakesch in Marokko.

 

Copyright: Andrea Vogel
Copyright: Andrea Vogel

Dazwischen liegt eine der faszinierendsten und unbekanntesten Landschaften unseres Planeten. Diese Süd-/Norddurchquerung war im Mittelalter der wichtigste Gold-/ Salzhandelskarawanenweg von Schwarzafrika nach Europa.


Zusammen mit seinem Team, zwei Tuareg und 10 Kamelen, wird Andrea Vogel die Route autark bewältigen. Dabei sind 3.010 km zu begehen, unter anderem über den Hitzepol der Erde und über den Berg Jebel Toubkal (4.167 m), den höchsten Gipfel Nordafrikas.


Nach 150 Jahren ist er der erste Europäer, der auf den Spuren der Forscher René Caillié, Heinrich Barth und Oscar Lenz diese physische und psychische Weltklasseleistung vollbringen wird.


Orientieren werden sie sich, wie es seit jeher von den Wüstennomaden gehandhabt wird, anhand der Sterne, den Landformationen sowie der Ausrichtung der Sanddünen. Ein Sternbild, das das Team auf dieser Tour immer begleiten wird, ist der Orion; daher der Projektname: Orion-Tour.


Das Projekt Orion-Tour stellt nicht nur als körperliche und mentale Spitzenleistung ein einmaliges Ereignis dar, es zeichnet sich überdies aus durch seinen Brückenschlag zu sozialen und kulturellen Themen.


http://www.orion-tour.ch
http://www.andreavogel.ch
Artikel bei swissinfo.ch


Unterwegs durch die Sahara

3.000 Kilometer Wüstensand wollte Andrea Vogel bei seiner Transsahara-Expedition von Timbuktu nach Marrakesch unter die Füsse nehmen. Nach 800 Kilometern war jedoch bereits Schluss.

 

Treffpunkt (00:40:04)

Im "Treffpunkt" vom Mittwoch, 12. April 2006 bei Dani Fohrler erzählte der Abenteurer von seinen Erlebnissen in der grössten Wüste der Erde und erklärte, warum die Expedition gescheitert ist.
© 2006 Schweizer Radio DRS.


Die "Orion-Tour" durch die Schweiz

Am 18. November 2008 startet Andrea Vogel zu einer ausgedehnten Vortragstournee durch die Schweiz. Auf der durch den bekannten Liedermacher Dänu Brüggemann mit Live-Musik begleiteten Multimedia-Show berichtet Andrea Vogel über seine Erlebnisse und Eindrücke bei der ersten Sahara-Durchquerung eines Europäers entlang der legendären Salzkarawanen-Route seit 150 Jahren.


Uferlos - Mit dem Orion von Timbuktu nach Marrakesch

Uferlos - Mit dem Orion von Timbuktu nach Marrakesch

Der Bündner Andrea Vogel unternimmt anfangs 2008 eine aussergewöhnliche Expedition durch die grösste Wüste der Erde: die Sahara. Den Startpunkt bildet die sagenumwobene Stadt Timbuktu in Mali. Das Ziel ist die Handelsstadt Marrakesch in Marokko.

Ressourcen

Bücher, Zeitschriften

  • Uferlos - Mit dem Orion von Timbuktu nach Marrakesch | Das Buch zur Orion-Tour
    mehr
  • "Bund"-Serie Uno-Jahr der Wüste
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  • Die Wüsten der Erde – 365 Tage | Das offizielle Begleitbuch des UNO-Jahres
    mehr
  • Die Wüsten der Erde | Ein umfassender Überblick über sämtliche Wüsten der Erde
    mehr
  • Wüstenträume – Desert Dreams
    mehr
  • UNESCO-Kurier | Nr. 1/1994 | Wüsten
    mehr

Multimedia

  • DVD-Edition "Die Wüsten der Erde"
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  • Video "Wasser in der Wüste"
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Lehrmaterialien

  • 10 interaktive Quiz zum Jahr Wüsten und der Wüstenbildung
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  • Lehrmaterialsammlung zur Wüstenbildung: UNESCO teacher's kit
    Die deutschsprachige Version der Lehrmittelsammlung wurde mit Unterstützung des Deutschen Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) erstellt.
    Bildschirm-Auflösung
    Druck-Auflösung
  • Dossier: Virtuelles Wasser
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