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2008: Jahr der sanitären Grundversorgung

Logo des Internationalen Jahres der sanitären Grundversorgung
Logo des Internationalen Jahres der sanitären Grundversorgung

Die UNO hat am 20. Dezember 2006 das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr der sanitären Grundversorgung erklärt.


2,6 Mrd. Menschen besitzen keinen Zugang zu sanitärer Grundversorgung. Das sind mehr als doppelt so viele wie die 1,1 Mrd., die ohne sauberes Trinkwasser auskommen müssen. Alle 20 Sekunden stirbt ein unter 5-jähriges Kind an einer Durchfallerkrankung, die direkt auf das Fehlen einer sanitären Grundversorgung mit Abwasserentsorgung, einem gewissen Hygienestandard und Trinkwasser zurückzuführen ist. Nicht zuletzt deshalb sterben derzeit mehr Menschen an wasserbedingten Krankheiten als in Kriegen. Das ist eine menschliche Tragödie - und ein enormes Entwicklungshindernis in vielen Ländern der Dritten Welt.

 

Sanitäre Einrichtung in Sierra Leone. © DACO/SLIS
Sanitäre Einrichtung in Sierra Leone. © DACO/SLIS

Die Generalversammlung der Vereinten Nationen hat dieser Situation den Kampf angesagt, denn die internationale Staatengemeinschaft hat sich mit der Verabschiedung der MDG vorgenommen, sowohl die Zahl der Menschen ohne Basissanitärversorgung als auch die derjenigen ohne sicheres Trinkwasser bis 2015 zu halbieren.


Doch was die Abwasserthematik angeht, ist abzusehen, dass diese Selbstverpflichtung nicht eingelöst wird, wenn die Bemühungen dazu nicht erheblich intensiviert werden.


Die Arbeitsausfälle und Gesundheitsausgaben, die südlich der Sahara wegen unhygienischer Wohn- und Lebensbedingungen infolge unzureichender Wasser- und Sanitärversorgung auftreten, kosten Afrika laut UNDP jährlich fünf Prozent der Wirtschaftskraft. Das entspricht rund 28 Mrd. Dollar und ist mehr als der Kontinent 2003 an Entwicklungshilfe und Schuldenerlassen erhielt.


Hauptziele der Kampagne
  • Aufklärung bzgl. der unzureichenden sanitären Grundversorgung in vielen Teilen der Welt
  • Schaffung von politischem Willen und der Bereitschaft für konkrete Projektumsetzungen, um die derzeitige Situation zu verbessern
  • Erhöhung der Bereitschaft von Gemeinden, Regierungen und anderen Geldgebern in geeignete Toiletten- und Abwassersysteme zu investieren

 

Weltweite Missstände

 

  • 2,6 Mrd. Menschen (42% der Weltbevölkerung) leben ohne Zugang zu einer geeigneten sanitären Anlage
  • 1,8 Mio. Kinder sterben jährlich an den Folgen von verunreinigtem Trinkwasser und unzulänglicher Sanitärversorgung
  • 433 Mio. verpasste Schultage pro Jahr sind auf wasserbedingte Krankheiten zurückzuführen


Bei der derzeitigen Entwicklung wird das UN Millenniumentwicklungsziel für sanitäre Grundversorgung - den Anteil der Menschen ohne Zugang zu sanitären Einrichtungen bis zum Jahr 2015 zu halbieren - weit verfehlt.


95.000 Familien müssten täglich mit sanitären Anlagen versorgt werden, um dieses Ziel zu erreichen.

Südlich der Sahara haben nur 36 Prozent der Menschen Zugang zur sanitären Grundversorgung. Das ist die niedrigste Rate weltweit, im globalen Mittel sind 69 Prozent versorgt.


Investitionen sind angesichts solcher Zahlen nicht nur für die menschliche Entwicklung unabdingbar, sondern auch ökonomisch rentabel. Jeder im Wasser- und Abwassersektor investierte Dollar bringt laut Schätzung der WHO - je nach Technik und örtlichen Gegebenheiten - wirtschaftliche Vorteile zwischen drei und 34 Dollar. Es handelt sich zugleich um die beste Präventivmedizin, denn 80 Prozent der Krankheiten in Entwicklungsländern werden durch schlechtes Trinkwasser und ungeklärte Abwässer verursacht.


Die weltweite Sanitärkrise hat eine enorme Tragweite. Als "schmutziges" Pendant des "sauberen" Versorgungsthemas geniesst sie jedoch wenig Aufmerksamkeit. Wer auf ihre Relevanz aufmerksam macht, wird schnell bespöttelt, „mit Klos die Welt retten“ zu wollen. Dabei sind Ver- und Entsorgung untrennbar miteinander verbunden. Ohne zuverlässige Abwasserbeseitigung gibt es keine zuverlässige Trinkwasserversorgung. Wie Kevin Watkins, der Hauptautor des im November vom UNDP veröffentlichten Human Development Reports erläutert, ist "kein Zugang zu sanitärer Grundversorgung" lediglich eine vornehme Formulierung dafür, dass viele Menschen ihr Wasser für den täglichen Bedarf aus Quellen beziehen, die mit Fäkalien von Menschen und Tieren verunreinigt sind.

Die Schweiz will die Gleichgültigkeit wegspülen

Eröffnung der Pilot- und Forschungsanlage in Dakar im Juli 2007. © Eawag - aquatic research
Eröffnung der Pilot- und Forschungsanlage in Dakar im Juli 2007. © Eawag - aquatic research

Auch die Schweiz hat sich zum Handeln entschieden. Unser Land beteiligt sich an der weltweiten Aktion und startet ihrerseits eine nationale Kampagne. Verschiedene staatliche und private Partner werden einen Beitrag leisten. Hauptziel ist es, die Bevölkerung für die erbärmlichen Zustände zu sensibilisieren, mit denen jeder dritte Mensch tagtäglich konfrontiert ist, Investitionen zu mobilisieren und die historische Bedeutung, aber auch künftige Herausforderungen im Bereich sanitäre Grundversorgung und Hygiene in der Schweiz aufzuzeigen.


Die DEZA, das BAFU, das BAG und das SECO führen diese Kampagne zusammen mit dem Eawag und Dachorganisationen der privaten Abwasserbranche, namentlich mit dem VSA und dem GRESE. Bei der Umsetzung der Kampagne werden diese Berufsleute in direktem Kontakt mit den Zielgruppen stehen. Der Weltfonds für sanitäre Grundversorgung mit Sitz in Genf, der Projekte in Entwicklungsländern finanziert, wird ebenfalls unterstützt.

 

Text-Quellen: Gekürzte Fassungen aus einem Artikel von Uschi Eid, kommissarische Vorsitzende von UNSGAB, in der Zeitschrift E + Z, http://www.inwent.org, der Webseite der German Toilet Organization und einer Pressemitteilung der DEZA zum Start der weltweiten Kampagne.

Ressourcen

News

Dienstag, 20. Mai 2008
Toiletten: das stille Örtchen braucht unsere Aufmerksamkeit

100 Mrd. Franken für 47.000 km Kanalisation, Unterhaltskosten von 1,7 Mrd. pro Jahr, 759 reibungslos funktionierende Kläranlagen, die einen wichtigen Beitrag zur öffentlichen Gesundheit leisten: So sieht die Bilanz der Schweiz...

Publikationen

A city making the switch to healthy sanitation

A World of SCIENCE, Vol. 6, Nr. 3, July–September 2008