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Wir werden gerne auf solche Veranstaltungen und Publikationen hinweisen.


... bzw. des Logos des Internationalen Jahres der Sprachen

Die Nutzung des offiziellen Logos ist beschränkt. Für Projekte in der Schweiz muss ein Bewilligungsantrag an die Schweizerische UNESCO-Kommission gestellt werden.

 

2008: Jahr der Sprachen

Logo des Internationalen Jahres der Sprachen
Logo des Internationalen Jahres der Sprachen

Die UNO hat am 16. Mai 2007 das Jahr 2008 zum Internationalen Jahr der Sprachen erklärt.


Die Generalversammlung der Vereinten Nationen bittet die UNESCO, die Rolle der federführenden Organisation für das Jahr zu übernehmen und die Mitgliedstaaten, das System der Vereinten Nationen und alle weiteren massgeblichen Interessenträger, Aktivitäten auszuarbeiten, zu unterstützen und zu verstärken, die darauf gerichtet sind, die Achtung, die Förderung und den Schutz aller Sprachen, insbesondere der gefährdeten, die sprachliche Vielfalt und die Mehrsprachigkeit zu verbessern.

 


Jahr für Jahr sterben weltweit zehn Sprachen. Da sich diese Tendenz in unserer Zeit rasch verstärkt, erfordert die Rettung der kulturellen Vielfalt internationale Massnahmen.

 

© Philippe Franchini, Paris
© Philippe Franchini, Paris

Bereits die kolonialen Eroberungsfeldzüge Europas führten zu einem drastischen Rückgang der sprachlichen Vielfalt: Mindestens 15% der damals gesprochenen Sprachen fielen ihnen zum Opfer. In den letzten drei Jahrzehnten ging nun in Europa selbst ein Dutzend verloren, in Australien haben sich nur noch 20 der 250 zu Beginn des 18. Jh. gesprochenen Sprachen erhalten, und in Brasilien verschwanden etwa 540 (drei Viertel) seit Beginn der portugiesischen Kolonisierung im Jahre 1530.


Das Entstehen der Nationalstaaten, deren territoriale Grenzen oft an die sprachliche Einheit gebunden waren, spielte ebenfalls eine entscheidende Rolle bei dieser Entwicklung. Bemüht, eine Sprache als Amtssprache im Bildungswesen, in den Medien und in der Verwaltung zu verankern, arbeiteten die Regierungen bewusst an der Ausgrenzung der Minderheitensprachen.


Dieser Prozess der Vereinheitlichung hat sich mit der Industrialisierung und dem wissenschaftlichen Fortschritt noch verstärkt, welche nach schneller, einfacher und praktischer Kommunikation verlangten.


Die Sprachenvielfalt erschien nunmehr als Hindernis für den Austausch und die Verbreitung von Wissen, und die Einsprachigkeit wurde zum Ideal. So machte man sich Ende des 19. Jh. erstmals Gedanken über eine universelle Sprache, was zum Entstehen von Kunstsprachen führte: Volapük hiess die erste; der grössere Erfolg und die längere Lebensdauer waren jedoch dem Esperanto beschieden.

 

Facts & Figures

  • Nur wenige Sprachen haben mehr als 2.000 Jahre überdauert, wie das Baskische, Ägyptische, Chinesische, Griechische, Hebräische, Lateinische, Persische, Sanskrit und Tamil
  • Von den 6.000 Sprachen, die es gegenwärtig weltweit gibt, wird mehr als die Hälfte von weniger als 10.000 und ein Viertel von weniger als 1.000 Menschen gesprochen
  • Jedes Jahr sterben zehn Sprachen. Die Quote der sterbenden Sprachen ist besonders hoch in Gegenden mit der grössten Sprachenvielfalt
  • Wenn nicht bald etwas geschieht, werden nach den gegenwärtigen Prognosen 50 bis 90% der heute gesprochenen Sprachen im 21. Jahrhundert aussterben
  • Die Überlebensschwelle für eine Sprache liegt bei rund 100.000 aktiven Benutzern
  • Der Tod von Sprachen ist kein neues Phänomen. Seit sie sich diversifiziert haben, sind mindestens 30.000 (einige sprechen sogar von einer halben Mio.) entstanden und wieder verschwunden, oft ohne irgendwelche Spuren zu hinterlassen
  • 96% der Sprachen werden von nur 4% der Weltbevölkerung gesprochen
  • Rund 80% sind endemische Sprachen, beschränken sich also auf ein einziges Land
  • Nur gerade 20 Sprachen werden auf der Erde von Hunderten Mio. Menschen in mehreren Ländern geteilt
  • Die Hälfte der heute lebenden Menschen benützen im Alltag nur neun verschiedene Sprachen (Chinesisch (1,2 Mrd. Menschen), Englisch (478 Mio.), Hindi (437 Mio.), Spanisch (392 Mio.), Russisch (284 Mio.), Arabisch (225 Mio.), Portugiesisch (184 Mio.), Französisch und Deutsch (je 125 Mio.))
  • Auf Neuguinea sind gegen Tausend verschiedene Sprachen beheimatet - ein Sechstel aller heute existierenden Sprachen
  • In Afrika gibt es bereits mehr als 200 Sprachen, die von weniger als 500 Menschen gesprochen werden.
  • In Europa werden nur 3% der insgesamt 6.000 Sprachen auf der Erde gesprochen
Kartografie des babylonischen Erbes. Quelle: © R. J. L. Breton
Die meistverbreiteten Sprachen. Quelle: © Linguasphere Observatory, 2000
Geografische Verteilung. Quelle: © Summer Institute of Linguistics (SIL)

Verschärfte Bedrohung für kleinere Sprachen

Mit der Internationalisierung der Finanzmärkte, der Informationsverbreitung durch elektronische Medien und den anderen Begleiterscheinungen der Globalisierung hat sich die Bedrohung der "kleinen" Sprachen noch verschärft.


Der Rhythmus des Aussterbens von Sprachen hat bislang unbekannte Dimensionen erreicht. Die Konsequenzen dieser Entwicklung sind aus mehr als nur einem Grunde schwerwiegend. Wenn wir allesamt einsprachig würden, ginge unserem Gehirn die angeborene sprachliche Kreativität teilweise verloren. Jeglicher Versuch, den Ursprüngen der menschlichen Sprache auf den Grund zu gehen, würde unmöglich, und das Geheimnis der "Ursprache" könnte niemals gelüftet werden. Im Übrigen ist mit dem Sterben jeder einzelnen Sprache ein Kapitel der Menschheitsgeschichte definitiv abgeschlossen.

 

Sprachenvielfalt und Mehrsprachigkeit spiegeln nicht nur den Multikulturalismus, sondern sind unabdingbare Voraussetzung dafür. Bevölkerungsgruppen eine Sprache aufzuzwingen, die nicht mit ihrer Kultur und Lebensart harmoniert, bedeutet, den Ausdruck des kollektiven Genies zu ersticken. Sprachen sind nicht nur das bevorzugte Kommunikationsmittel der Menschen, sondern verkörpern auch die Weltsicht ihrer Sprecher, ihre Fantasie sowie ihre Art und Weise, Wissen zu vermitteln.


Trotz aller Verwandtschaften zwischen den Sprachen geben sie die Realität unterschiedlich wieder. Erstellt man eine Liste der Wörter, die in allen Sprachen existieren und wirklich den gleichen Sinn haben, so stellt man fest, dass es höchstens 300 davon gibt. Dazu gehören: ich, du, wir, wer, was, nein, alles, eins, zwei, gross, lang, klein, Frau, Mann, essen, sehen, hören, Sonne, Mond, Stern, Wasser, Feuer, kalt, warm, weiss, schwarz, Nacht, Land.

Die gegenwärtigen Aktivitäten der UNESCO

konzentrieren sich unter anderen auf die folgenden Ziele:

 

  • Förderung der mehrsprachigen Ausbildung, einschliesslich der Muttersprache
  • Schutz von gefährdeten und indigenen Sprachen
  • Förderung der Mehrsprachigkeit und der sprachlichen Vielfalt
  • Förderung von Sprachen als Mittel für den Dialog und die internationale Integration


Im Anschluss an eine weltweite Konsultation hat die UNESCO im Juni 2007 ein Online-Kompendium ihrer andauernden Tätigkeiten im Bereich Sprachen und Mehrsprachigkeit veröffentlicht. Die Informationsbroschüre zum Internationalen Jahr der Sprachen verdeutlicht die Aktivitäten der UNESCO.


Die Gefahr, die der Sprachenvielfalt droht, entspricht der für die Artenvielfalt. Nicht nur, weil die grosse Mehrheit der Sprachen tatsächlich vom Aussterben bedrohte Arten sind, sondern auch, weil zwischen der biologischen und der kulturellen Unterschiedlichkeit eine kausale Beziehung besteht.


Wie Tier- und Pflanzenarten, so sind auch die bedrohten Sprachen auf ein sehr kleines Gebiet beschränkt und gelten mithin dort als heimisch. Mehr als 80% der Länder, in denen eine beträchtliche biologische Vielfalt besteht, gehören zugleich zu den Regionen mit der grössten Anzahl Sprachen.


Denn die Menschen erwerben durch die Anpassung an ihren Lebensraum eine spezielle Kenntnis desselben, welche sich in ihrer Sprache - und oftmals nur in ihr - ausdrückt. Somit ist ein Grossteil der gefährdeten Pflanzen- und Tierarten heute nur bestimmten Völkern bekannt. Wenn ihre Sprache ausstirbt, verschwindet auch das gesamte traditionelle Wissen über die Umwelt.

Vor einem "Rio der Sprachen"?

1992 wurden beim Gipfel von Rio eine Reihe von Instrumenten für den Kampf gegen die Reduzierung der Artenvielfalt verabschiedet. Nunmehr ist die Stunde für ein "Rio der Sprachen" gekommen. Dass Sprachen geschützt werden müssen, wurde der Weltöffentlichkeit um die Mitte des 20. Jahrhunderts bewusst. Damals wurden die sprachlichen Rechte in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen aufgenommen (Artikel 2). Seitdem ist eine Reihe von Instrumenten und Projekten geschaffen worden, um das zu schützen, was nunmehr als Menschheitserbe bezeichnet wird. Diesen Bemühungen kommt das Verdienst zu, den Prozess des Aussterbens der Sprachen wenn nicht zu verhindern, so doch zumindest aufzuhalten und die Sprachenvielfalt auf der Erde zu fördern.

 

Die Autorin, Ranka Bjeljac-Babic, ist Dozentin für Sprachpsychologie an der Universität Poitiers. Text-Quelle: Gekürzte Fassung aus UNESCO-Kurier Nr. 4/2000 'Das Erbe B@bylons'.

Ressourcen

UNESCO

Links

  • Endangered Languages
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  • Atlas on endangered languages
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  • Cultural and Linguistic Diversity in Education
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  • Multilingualism in Cyberspace
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  • Linguapax
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Publikationen

  • Twelve years of measuring linguistic diversity in the Internet: balance and perspectives
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  • UNESCO Courier | Nr. 2/2009 | Endangered languages, endangered thought
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  • UNESCO Courier | Nr. 1/2008 | Languages matter
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  • The Intangible Heritage Messenger: Endangered languages
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  • UNESCO-Kurier | Nr. 4/2000 | Das Erbe B@bylons
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  • UNESCO Courier | Nr. 4/2000 | Languages: conflict or coexistence?
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Schweiz

Links

  • Lia Rumantscha
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  • Sammlung Schweizerdeutscher Dialektwörter und -begriffe
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  • Schweizerisches Idiotikon - Wörterbuch der schweizerdeutschen Sprache
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  • Sprachenvielfalt und Sprachkompetenz in der Schweiz
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  • Verein Förderung der Gebärdensprache bei Kindern, FGK
    Der Verein hat sich zum Ziel gesetzt, die Gebärdensprache breiter bekannt zu machen.
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  • Vereinigung für Angewandte Linguistik in der Schweiz, VALS-ASLA
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  • Glossaire des patois de la Suisse romande
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  • Lessico dialettale della Svizzera italiana
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  • CIMERA is a Geneva-based, private, non-profit organization which is active in the Caucasus, Central Asia, the Balkans and in Switzerland.
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Publikationen

  • Linguistik online, das Online-Magazin der Philosophisch-historischen Fakultät der Universität Bern
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  • terra cognita - Schweizer Zeitschrift zu Integration und Migration
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  • UNESCO’s approach to endangered languages
    A bachelor thesis submitted by Nicole Affolter to the University of Basel.
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Europa

Links

  • ADUM ist ein Projekt, das Informationen für die Antragstellung von EU-Projekten für Minderheitensprachen bietet.
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  • Europäisches Fremdsprachenzentrum des Europarats
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  • Lingu@net Europa, das multilinguale Zentrum für das Fremdsprachenlernen
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  • Sprachen und Europa
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Dokumente

  • Europäische Charta der Regional- oder Minderheitensprachen
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Publikationen

  • Eine lohnende Herausforderung - Wie die Mehrsprachigkeit zur Konsolidierung Europas beitragen kann
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International

Links

  • Internationales Zentrum für Mehrsprachigkeit
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  • Linguamón - Haus der Sprachen
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  • Fédération internationale des professeurs de langues vivantes
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  • International Association of Applied Linguistics
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  • Linguasphere Observatory
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  • Maaya, the World Network for Linguistic Diversity
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  • Summer Institute of Linguistics
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  • Terralingua
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  • Universal Declaration of Linguistic Rights
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Publikationen

  • Tourism Review | Nr. 8/2008 | Language as a Heritage
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  • Ethnologue: Languages of the World
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