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Wer das offizielle Logo zum IYSEFA2012 verwenden möchte, muss dies mit der United Nations Foundation in Washington absprechen.

2012: Jahr der erneuerbaren Energie für alle

Logo des Internationalen Jahres der erneuerbaren Energie für alle
Logo des Internationalen Jahres der erneuerbaren Energie für alle

Die UNO hat am 20. Dezember 2010 das Jahr 2012 zum Internationalen Jahr der erneuerbaren Energie für alle erklärt.


Erdöl ist der mit Abstand wichtigste Energieträger der Welt. Industriell gefördert wird es erst seit 1859, also seit gut 150 Jahren. In dieser aus historischer Sicht relativ kurzen Zeit hat der billige und stete Zufluss von Energie unsere Welt fundamental verändert. In den industrialisierten Ländern der Welt wurde der Wohlstand enorm erhöht. Zudem bildete das Erdöl in vielen Fällen die Basis für die Produktion und den Transport einer Vielzahl von materiellen Gütern.


In den nächsten 20 Jahren ist der Höhepunkt der Erdölfunde erreicht. Es ist ungewiss, wie der Energiehunger der Welt danach gestillt werden soll. Zwei entgegengesetzte Herausforderungen stellen sich:

  • Für den wirtschaftlich-sozialen Fortschritt und die Erreichung der MDG ist eine angemessene Energieversorgung entscheidend. Weltweit leben rund zwei Milliarden Menschen ohne Elektrizität.
  • Die Weltgemeinschaft muss ihren Kohlendioxid-Ausstoss wegen des Klimawandels drastisch reduzieren.

Welt-Energieverbrauch. Quelle: BP Statistical Review of World Energy, June 2011
Welt-Energieverbrauch

Erneuerbare Energien sind von entscheidender Bedeutung, um die Welt auf einen sichereren, zuverlässigeren und nachhaltigeren Energiepfad zu führen. Das Potenzial ist zweifellos immens, aber wie schnell ihr Anteil bei der Deckung des globalen Energiebedarfs wächst, hängt kritisch von der Stärke staatlicher Unterstützungsmassnahmen ab. Diese werden entscheidend dazu beitragen, die Wettbewerbsfähigkeit von erneuerbaren Energieträgern zu erhöhen und technologische Weiterentwicklung zu fördern.


Die Möglichkeiten einer stärkeren Nutzung der erneuerbaren Energien sind - absolut betrachtet - in der Stromerzeugung am grössten. Im Szenario der neuen energiepolitischen Rahmenbedingungen verdreifacht sich die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien zwischen 2008 und 2035. Der Anteil der erneuerbaren Energien an der Weltstromerzeugung erhöht sich in diesem Zeitraum von 19% auf beinahe ein Drittel und schliesst damit zur Kohle auf. Dieser Anstieg geht in erster Linie auf Wind- und Wasserkraft zurück, wobei Wasserkraft in der Referenzperiode dominant bleibt. Die Stromerzeugung durch Photovoltaik-Anlagen nimmt rasch zu, obgleich ihr Anteil an der Weltstromerzeugung 2035 nur ca. 2% erreicht. Der Anteil moderner, erneuerbarer Energien an der Wärmeerzeugung in der Industrie und im Gebäudesektor steigt von 10% auf 16%. Die Nutzung von Biokraftstoffen erhöht sich zwischen 2008 und 2035 um mehr als das Vierfache, und liefert am Ende der Referenzperiode 8% des im Strassenverkehr benötigten Kraftstoffs (gegenüber 3% heute).


Individueller Verbrauch in Kilokalorien

  Nahrung Haushalt und Dienstleistung * Industrie und Landwirtschaft Transport Total
Primitiver Mensch 2       2
Jäger 3 2     5
Primitiver Bauer 4 4 4   12
Entwickelter Bauer 6 12 7 1 26
"Industrie"-Mensch 7 32 24 14 77
"Technischer" Mensch 10 66 91 63 230

* Der Sektor Dienstleistung umfasst vor allem Büroarbeit, Handel, Erziehung und andere Dienste. Quelle: UNESCO-Kurier Nr. 7/1981 'Die Energie - eine Herausforderung'.

Erneuerbare Energien - UNESCO-Aufgabe seit den 1950er Jahren

Quelle: bby_, http://www.flickr.com/photos/bby/ (Flickr CC)
Quelle: bby_, www.flickr.com/photos/bby/ (Flickr CC)

Die UNESCO befasst sich seit ihrer Gründung mit der Erforschung alternativer Energiequellen und mit der Verbreitung von Wind- und Solarenergie. Sie war eine der ersten Organisationen, die sich mit diesem Thema auf globaler Ebene auseinandersetzte. Das "International Arid Zone Programme" der UNESCO untersuchte über mehrere Jahre bis 1962 die Energieversorgung von wasserarmen Regionen. Das Programm organisierte 1954 ein internationales Symposium zu Wind- und Solarenergie im indischen Neu Delhi.


Die Ölkrise der frühen 1970er machte die Begrenztheit fossiler Brennstoffen und die Notwendigkeit eines vielfältigen Energiemixes offenbar. Vor diesem Hintergrund organisierte die UNESCO 1973 den ersten Weltkongress zu erneuerbaren Energien unter dem Motto "Die Sonne im Dienste der Menschheit" (The sun in the service of mankind). Diese Konferenz gab den erneuerbaren Ernergien einen wichtigen Impuls, denn sie brachte viele jeweils für sich arbeitende Experten und Initiativen zusammenbrachte und bündelte Aktivitäten.


Ein weiterer Meilenstein war das "Treffen hochrangiger Experten auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien" 1993. Der Welt-Solar-Gipfel in Zimbabwe drei Jahre später mit Vertretern aus über 100 Staaten führte zum Welt-Solarprogramm der Vereinten Nationen 1996-2005. Bei allen Initiativen war die UNESCO massgeblicher Initiatior. Gerade das Welt-Solarprogramm war ein wirkungsvolles Instrument zur Verbreitung erneuerbarer Energien. Es veranlasste viele Regierungen, Strategien zu erneuerbaren Energien zu entwickeln und umzusetzen.


UN Energy

Was die UNESCO heute zum Thema erneuerbare Energien leistet, ist eng verbunden mit den Aktivitäten anderer UN-Organisationen und anderer UNESCO-Wissenschaftsprogramme wie MAB, IHP oder MOST. Die UNESCO ist Mitglied von UN Energy, dem Koordinierungsgremium aller 20 UN-Organisationen mit Energie-Programmen, vom UN-Umweltprogramm bis zur Internationalen Atomenergiebehörde. Dort koordiniert die UNESCO den Bereich "Politikberatung Erneuerbare Energien".


Konkrete Beiträge der UNESCO

Mongolian Family Uses Solar Energy to Power Home. Quelle: UN Photo/Eskinder Debebe
Mongolian Family Uses Solar Energy to Power Home. Quelle: UN Photo/Eskinder Debebe

In Pilotprojekten bringt die UNESCO erneuerbare Energien in ländliche Gebiete, die von der nationalen Stromversorgung abgeschnitten sind. In "Solardörfern" zeigt sie exemplarisch, wie die Elektrifizierung von Schulen und Krankenhäusern die Lebensbedingungen verbessern kann. Mit Elektrizität können in Krankenhäusern Kühlschränke für Impfungen betrieben werden, warmes Wasser führt zu deutlich mehr Hygiene. Schülern können in elektrifizierten Schulen auch noch abends lernen. Solardörfer beweisen praktisch den Nutzen von Sonnenenergie für die kommunale und regionale Politik.


Schwerpunkt der UNESCO-Arbeit zu erneuerbaren Energien ist die berufliche Aus- und Weiterbildung. Das "Globale Bildungs- und Trainingsprogramm zu erneuerbaren Energien" (GREET) bietet Training für einzelne Experten, aber mehr noch für ganze Einrichtungen. GREET möchte weltweit Fähigkeiten stärken, erneuerbare Energien auf- und auszubauen, die technischen Anlagen an lokale Bedürfnisse anzupassen und instand zu halten. Seminare vermitteln Entscheidungsträgern, Ingenieuren und Forschern theoretisches Wissen über erneuerbare Energien und machen sie zugleich praktisch-konkret mit den Technologien vertraut. Insbesondere sollen Multiplikatoren erreicht werden, die später eigene Schulungen anbieten. Als Beispiel: Allein 2004-2005 profitierten etwa 500 Personen in 27 verschiedenen Ländern von der Aus- und Weiterbildung durch GREET. Zudem entwickelte und verbreitete die UNESCO Lehr- und Lernmaterialien.

Erneuerbare Energien in der Schweiz

Grimsel Kraftwerk. Quelle: Mark Howells-Mead, http://www.flickr.com/photos/mhowells/ (Flickr CC)
Grimsel Kraftwerk. Quelle: Mark Howells-Mead, www.flickr.com/photos/mhowells/ (Flickr CC)

Die Schweiz besitzt mit der Wasserkraft einen traditionsreichen und gewichtigen erneuerbaren Energieträger. Aber auch die "neuen" erneuerbaren Energien Sonne, Holz, Biomasse, Wind, Geothermie und Umgebungswärme haben einen zunehmenden Anteil an der Energieversorgung in der Schweiz.


Insgesamt decken die erneuerbaren Energien rund 1/6 des Endenergieverbrauchs (ohne Abfallnutzung rund 1/7). Die erneuerbaren Energieträger mit einer langen Tradition (Wasserkraft, Holz) haben dabei noch immer eine dominierende Rolle. Die neuen erneuerbaren Energien verzeichnen jedoch einen starken Zuwachs.

Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2010
Endenergieverbrauch 1910–2010 nach Energieträgern
Endenergieverbrauch 1910–2010 nach Energieträgern

Der Gesamtenergieverbrauch der Schweiz ist 2010 gegenüber dem Vorjahr um 4,4% auf den neuen Rekordwert von 911 550 Terajoule gestiegen. Wichtigste Gründe dafür waren die deutlich kältere Witterung, die positive Wirtschaftsentwicklung und das anhaltende Bevölkerungswachstum.


Zunahme bei Brennstoffen, Treibstoffen und Elektrizität

Bei den Brennstoffen Heizöl extra-leicht (+5,5%) und Erdgas (+10,8%) nahm der Verbrauch deutlich zu, während die Treibstoffe insgesamt nur wenig zulegten (+0,6%). Der Absatz von Dieselöl (+3,9%) und Flugtreibstoffen (+5,0%) stieg deutlich an, der Benzinverbrauch war hingegen rückläufig (–3,6%). Der Trend zur Substitution von Benzin durch Dieseltreibstoff setzte sich damit fort. Eine deutliche Abnahme gab es bei den schweren Heizölsorten (–17,7%), hingegen nahm die Nutzung von Petrolkoks (+23,3%) zu. Der Elektrizitätsverbrauch stieg um 4,0%.


Verbrauchsanstieg auch bei den erneuerbaren Energien

2010 wurden 7,7% mehr Energieholz verbraucht. Auch die Nutzung von Umgebungswärme durch Wärmepumpen stieg mit 21,1% sehr deutlich an, was den anhaltenden Trend zu diesem Heizungssystem unterstreicht. Hohe Zuwachsraten gab es auch bei der Fernwärme (+12,7%), der Nutzung von Solarwärme (+13,5%) und von Biogas (+7,3%). Nach einem starken Rückgang um fast 29% im Vorjahr legten die Biotreibstoffe 2010 wieder um 20,0% zu. Auch die energetische Verwendung von Industrieabfällen (+5,8%) und Kohle (+2,1%) nahmen nach einer rückläufigen Vorjahresentwicklung wieder zu.


Quelle: Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2010