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Publikationen

Flyer.Welterbe.-.Immaterielles.Kulturerbe

Ähnlichkeiten und Unterschiede

Immaterielles Kulturerbe – lebendige Traditionen in der Schweiz

Info-Blatt - September 2010

Kunsthandwerk ist auch Kunst

Über Bedeutung und Aspekte von gestalterischem Handeln und Tun in der Kunst in Bildung und Gesellschaft. Von Elisabeth Volkart-Annen, Mitglied der Schweizerischen UNESCO-Kommission und Co-Präsidentin des Vereins pro manu.

Fachkontakt

Jeanne Berthoud
031 324.10.67 (T)

Penelope und Hephaistos - Handwerk schafft Zukunft

Samstag, 17. September 2011, in Bern


Programm


Dokumente zur Tagung vom 17. September 2011, Bern


Kurzbericht der Tagung (auf Deutsch)
Bericht der Tagung (auf Deutsch)

Penelope und Hephaistos - Geschichte wird Zukunft
Text von Frau Elisabeth Volkart-Annen

Berufslehre und Förderung der praktischen Intelligenz: Stärke des schweizerischen Bildungssystems
Präsentation von Herrn Rudolf Strahm

Compétences manuelles – Outils pour l'avenir
Présentation de M. Claude-Alain Vuille

Bericht traditionelles Handwerk

Forschungsprojekt "Traditionelles Handwerk"

Bildung für ein gutes Leben: Vom Notwendigen des Überflüssigen
Präsentation von Frau Christine Ax

Traditionelles Textilhandwerk und kulturelle Identität an zwei Beispielen aus Südwest-China und Indonesien
Präsentation von Frau Marie-Louise Nabholz-Kartaschoff

Eine Auswahl Publikationen

Es geht um Verständnis und Wertschätzung für das Prinzip Handwerk,
unter dem wir die Fähigkeit verstehen,
unsere Probleme praktisch zu lösen und unserer Umwelt eine Gestalt zu geben.
Ax/Horchler

Die Tagung – eine Hommage ans Handwerkskönnen

Ziele – von Funken und Wertschätzung

Penelope, die Weberin und Hephaistos, der Schmied - die beiden Figuren aus der Antike sind Sinnbilder handwerklicher Fertigkeiten, bestehend aus Wissen und Können. Sie prägen seit jeher unsere Gesellschaft und unsere Kultur.


Die Schweizerische UNESCO-Kommission, Schule und Weiterbildung Schweiz, und der Verein pro manu, setzen sich dafür ein, dass die handwerklichen Fertigkeiten weiterhin gepflegt – also weiter entwickelt und in die Zukunft getragen - werden:

  • als Bestandteil einer ganzheitlichen Bildung,
  • als unabdingbares Gewerbe
  • und als Kunst.


Wenn in unserem Lande die handwerklichen Kompetenzen und Fertigkeiten erhalten werden sollen, wenn daraus weitere, u.a. gestalterische Kompetenzen entwickelt werden sollen, wenn Kreativität und Innovation persönliche und wirtschaftliche Trumpfkarten bleiben sollen, muss der Funken in der Schule gezündet werden und das handwerklichen Wissen und Können in der Gesellschaft allgemein eine höhere Wertschätzung erhalten.

  • Dazu braucht es qualifizierte und motivierte Lehrpersonen, die ihr Wissen in angemessener Form weitergeben können.
  • Dazu braucht es qualifizierte und motivierte Handwerker, die von ihrem Handwerk leben können.
  • Dazu braucht es eine Gesellschaft, welche handwerkliche Kompetenzen und Fertigkeiten wertschätzt und sie als Wertschöpfung anerkennt und fördert und als Erbe einer Grundausrüstung in der Gesellschaft anerkennt.


Der Morgen der Tagung ist geprägt von Referaten, am Nachmittag finden Ateliers, eine Mehrheit praktische, statt. Diese Kombination soll eine Überzeugung widerspiegeln, dass Wissen und Können eine Einheit sind und unabdingbar zusammengehören. Handwerk zeigt sich handelnd.


Erwartete Resultate

Die Tagung soll

  • den Handlungsbedarf darlegen, um die Wertschätzung der traditionellen handwerklichen Fertigkeiten sowie der Personen und Institutionen, welche diese Fertigkeiten praktizieren und weitergeben, zu fördern
  • Strategien und Massnahmen skizzieren, damit das Handwerken und Gestalten im obligatorischen Unterricht der Volksschule ein Pflichtfach bleibt, das von qualifizierten Lehrpersonen unterrichtet wird
  • mögliche Synergien definieren hinsichtlich einer engeren Zusammenarbeit zwischen Bildung (Schulen, Berufsschulen, Hochschulen, etc.) und Gewerbe (Handwerk, Kunsthandwerk, etc.) und entsprechender Unterstützung von Politik, Wissenschaft sowie Wirtschaft und Kultur.

Die UNESCO Dimension

Die vier Säulen des Lernens

Aus UNESCO-Sicht soll die Bildung dazu befähigen, aktiv und selbstbestimmt am öffentlichen Leben teilzunehmen und Gegebenheiten kritisch zu hinterfragen. Der ganzheitliche Bildungsbegriff der UNESCO wird in den "vier Säulen des Lernens" (Delors-Bericht, 1996) definiert:

  • Lernen, Wissen zu erwerben (learning to know)
  • Lernen zu handeln (learning to do)
  • Lernen für das Leben (learning to be)
  • Lernen miteinander zu leben (learning to live together)

Die Konvention zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes

Diese UNESCO-Konvention entstand im Jahr 2003. Sie umfasst

  • mündlich überlieferte Traditionen und Ausdrucksweisen, einschliesslich der Sprache als Träger immateriellen Kulturerbes
  • darstellende Künste
  • gesellschaftliche Praktiken, Rituale und Feste
  • Wissen und Praktiken im Umgang mit der Natur und dem Universum
  • Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken


Sie wurde 2008 von der Schweiz ratifiziert und wird jetzt umgesetzt, u.a. mit der Erstellung der Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz.


Pressemitteilung der Bundesamtes für Kultur


Diese Tagung soll ihren Beitrag leisten zur Umsetzung der Konvention.

Traditionelle Handwerkstechniken – Wissen und Können

Fachwissen über traditionelle Handwerkstechniken

Der Architekt ist wichtig, die das Geld geben sind wichtig.
Den Menschen, die das Handwerk beherrschen, diese Dinge herzustellen,
verweigern wir unseren Respekt.
Ax/Horchler


Dieses Fachwissen und das entsprechende Können bilden den wahrscheinlich am gefährdetsten Bereich der Konvention. Handwerkliches Können ist auch für viele andere in der Konvention enthaltenen Bereiche unabdingbar.


Handwerksfertigkeiten, im textilen und im technischen Bereich drohen "durch die Maschen zu fallen". Sie sind jedoch weltweit die Grundbausteine für die Tradierung des immateriellen Kulturerbes, z.B. bei der Herstellung von Objekten für das Brauchtum, für den Instrumentenbau, für Kostüme usw.

Wir jubeln über die Leistungen der Orchester
und bedenken nicht die Kunst des Instrumentenbaus.
Ax/Horchler


Die Bearbeitung von Materialien wie Holz, Metall, Textilien sowie die Herstellung von Objekten wie Werkzeugen, Musikinstrumenten, Spielzeug, Kleidung und Schmuck gehören zu den (noch) lebendigen Traditionen unserer, wie auch vieler anderen Kulturen.


Es ist nicht versteinert und mumifiziert. Im Gegenteil. Es soll leben, es soll von Gemeinschaften und Gruppen in Auseinandersetzung mit ihrer Umwelt, ihrer Interaktion mit der Natur und ihrer Geschichte fortwährend neu zum Ausdruck und zur Anwendung gebracht werden.


Das Wissen und das Können werden von Generation zu Generation weitergegeben. Durch Lehren und Zeigen, durch Lernen und Machen. In der Familie, in den Gemeinschaften, in der Schule, im Beruf, in der Freizeit. Die Bewahrung des Handwerks bedarf der Weitergabe von Grundfertigkeiten und des Lernens im Sinne des UNESCO-Bildungsverständnisses.


Die Handwerksfertigkeiten haben als immaterielles Kulturerbe jedoch auch eine Bedeutung in sich selbst und sind unverzichtbare Grundlage für die Kunst.


Manche Dinge sind so nah, dass wir sie nicht sehen können.
Wir bemerken sie erst, wenn sie uns fehlen.
Ax/Horchler


Handwerken und Gestalten in der Schule – ein Volksgut

Handwerkstechniken haben bei uns Tradition. Von den Pfahlbauern über die Antike bis ins Mittelalter wurden sie weitergegeben. Vom Mittelalter bis zur industriellen Revolution pflegten und tradierten Zünfte und Familien das Handwerk. Weil die Tradierung in den neuen sozialen Strukturen nicht mehr gewährleistet war, wurde um 1830 Handarbeit und Werken in den Schulprogrammen zur Pflicht, und spezialisierte Lehrpersonen wurden in eigens geschaffenen Seminarien ausgebildet. Das Werken, die Handarbeit waren während über 150 Jahren in den Schweizer Schulen eine feste Tradition, ein Volksgut! Dem ist nicht mehr so. In den letzten Jahren musste Pestalozzis Ideal der "Bildung von Kopf, Herz und Hand" im Namen der Marktrelevanz zurückweichen. Seminarien für Werken und Gestalten wurden nach und nach geschlossen, die Ausbildung erfolgt an den pädagogischen Hochschulen, meist als Wahlfach. Berufs- und Fachhochschulen stellen jedoch fest, dass bei vielen Lernenden die manuellen Grundkompetenzen verschwinden.


Ganzheitliche Bildung wird daher vermehrt gefordert. Immer wieder wird betont, dass manuelle Aktivitäten die Kreativität sowie die Ausdrucks- und Gestaltungsfähigkeit der Kinder und Jugendlichen fördert. Das Handwerk ist insbesondere für künstlerische Innovationen eine unabdingbare Grundlage (cf. Manifest Arts & Education der Schweiz. UNESCO-Kommission). Und auch die Wirtschaft braucht Innovationen, also Ideen und praktische Umsetzungen. Findet sie diese hier nicht mehr, wird sie sie anderswo suchen.