Geschichte
Die Gründung der Schweizerischen UNESCO-Kommission steht im Zusammenhang mit dem frühen Engagement der Schweiz für die internationale Zusammenarbeit in den Bereichen Bildung, Wissenschaft und Kultur. Seit ihrer Einsetzung im Jahr 1949 begleitet die Kommission die Entwicklung der Beziehungen zwischen der Schweiz und der UNESCO und passt ihre Tätigkeit den Prioritäten der Organisation sowie den Herausforderungen ihrer Zeit an.

Die Anfänge: Der Beitritt der Schweiz zur UNESCO
Die Schweiz beteiligt sich von Beginn an an den Überlegungen, die zur Gründung der UNESCO führen. Im November 1945 ist sie mit zwei Beobachtern an der in London abgehaltenen Konferenz der Vereinten Nationen zur Errichtung einer Organisation für Bildung und Kultur vertreten. Unter ihnen befindet sich Jean Piaget, eine bedeutende Persönlichkeit der schweizerischen und internationalen pädagogischen und wissenschaftlichen Forschung, der später eine zentrale Rolle innerhalb der Schweizerischen UNESCO-Kommission spielen wird.
Nach mehreren vorbereitenden Schritten und der Prüfung des schweizerischen Beitrittsgesuchs durch die zuständigen Organe der UNO und der UNESCO nimmt die Generalkonferenz der UNESCO im November 1947 den Beitritt der Schweiz einstimmig an. In diesem Zusammenhang setzt der Bundesrat ein Studienkomitee und eine beratende Kommission ein, die mit der Vorbereitung der künftigen Schweizerischen UNESCO-Kommission beauftragt werden und damit die notwendigen Strukturen für die Beteiligung der Schweiz an der Organisation vorwegnehmen.
Am 28. Januar 1949 wird die Schweiz offiziell Mitglied der UNESCO. Die einzelnen Etappen dieses Beitritts sind im Abschnitt «Die Schweiz bei der UNESCO» dargestellt.
Die Gründung der Schweizerischen UNESCO-Kommission
Im Anschluss an diesen Beitritt setzt der Bundesrat am 6. Mai 1949 die Schweizerische UNESCO-Kommission als ausserparlamentarische Kommission ein. Jean Piaget wird zum ersten Präsidenten der Kommission ernannt und übt dieses Amt bis 1952 aus.
In ihren ersten Jahren verfügt die Kommission noch nicht über einen hauptamtlichen Generalsekretär. Diese Funktion wird vom stellvertretenden Leiter der Abteilung für internationale Organisationen des Eidgenössischen Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA) wahrgenommen. Diese Aufgabe übernehmen nacheinander Maurice Bastian (1949–1953), Fernand Bernoulli (1953–1954), Max König (1954–1956) und Sven Stiner (1956–1959).
Konsolidierung der Rolle der Kommission
Ab Ende der 1950er-Jahre strukturieren sich Rolle und Tätigkeiten der Kommission schrittweise. 1959 spielt Nationalrat Ernst Börlin, Vorsteher des Erziehungsdepartements des Kantons Basel-Landschaft und Präsident der SUK von 1958 bis 1968, eine entscheidende Rolle bei ihrer Stärkung. Auf Beschluss des Exekutivbüros der SUK vom 20. Juni 1959 ermutigt er Max Petitpierre, Vorsteher des EDA, dem Bundesrat einen Antrag zur Schaffung einer ständigen Generalsekretärsstelle zu unterbreiten. Diese Initiative stellt einen wichtigen Schritt in der Professionalisierung und Kontinuität der Kommissionsarbeit dar.
1960 tritt der erste hauptamtliche Generalsekretär der Schweizerischen UNESCO-Kommission sein Amt an. Der vom Bundesrat ernannte Freiburger Jean-Baptiste de Weck (1960–1966) leitet eine neue Entwicklungsphase ein und stärkt die Handlungs- und Koordinationsfähigkeit der Kommission.
Im Laufe der Jahrzehnte begleitet die SUK die Entwicklung der Prioritäten der UNESCO sowie der internationalen Zusammenarbeit. Mehrere Schweizer Persönlichkeiten tragen zu dieser Dynamik bei, darunter die Philosophin Jeanne Hersch, Mitglied der SUK, die gleichzeitig von 1970 bis 1972 im Exekutivrat der UNESCO tätig ist.

Eine Kommission im Wandel
In den 1990er-Jahren setzt die Kommission ihre Anpassung an institutionelle und gesellschaftliche Veränderungen fort. Nach dem Rücktritt des Präsidenten Edgar Tripet ernennt der Bundesrat 1993 die ehemalige Nationalrätin Doris Morf für die Amtsperiode 1993–1996 zur Präsidentin der SUK. Die frühere Vertreterin der Schweiz beim Europarat wird damit zur ersten Frau an der Spitze der Kommission.
1997 stellt die Ernennung von Francesca Gemnetti zur Präsidentin einen weiteren wichtigen Meilenstein dar, da erstmals die italienischsprachige Minderheit die Leitung der Kommission übernimmt.
2003 erhält die SUK erstmals eine Generalsekretärin mit der Ernennung von Madeleine Viviani.
Eine langfristige Tätigkeit
Seit ihrer Gründung hat sich die Schweizerische UNESCO-Kommission kontinuierlich im Einklang mit den aktuellen Herausforderungen und den Prioritäten der Organisation weiterentwickelt. Sie bleibt ihrer grundlegenden Aufgabe verpflichtet: das Engagement der Schweiz innerhalb der UNESCO zu begleiten und auf nationaler Ebene zur Verbreitung und Verankerung ihrer Programme und Prioritäten beizutragen.
Die Geschichte der SUK widerspiegelt somit die Kontinuität des schweizerischen Engagements für internationalen Dialog, geistige Zusammenarbeit und die Förderung der von der UNESCO getragenen Werte. Sie zeigt zugleich die Fähigkeit der Kommission, sich zu erneuern und ihr Handeln an die Herausforderungen jeder Epoche anzupassen.
