Die Schweiz bei der UNESCO

Die Schweiz ist seit 1949 Mitglied der UNESCO und trat dieser Sonderorganisation der Vereinten Nationen sehr früh bei – lange vor ihrem Beitritt zur UNO im Jahr 2002. Dieser Schritt markierte einen wichtigen Meilenstein ihres multilateralen Engagements. Heute beteiligt sich die Schweiz aktiv an den Arbeiten der UNESCO durch eine diplomatische Präsenz in Paris und eine enge Koordination mit Bern.

Historische Wegmarken: Der Beitritt der Schweiz zur UNESCO

Der Beitritt der Schweiz zur UNESCO ist das Ergebnis eines schrittweisen Prozesses, der unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg mit der Gründung der Organisation begann. Zwischen 1945 und 1949 markieren mehrere institutionelle Etappen diese Annäherung und führen zum offiziellen Beitritt der Schweiz zur UNESCO. Hier finden Sie einige wichtige Eckdaten.

  • 1946: Im November 1946 entsendet die Schweiz Jean Rodolphe de Salis, Professor an der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, als Beobachter zur ersten Generalkonferenz der UNESCO in Paris. Dort unterbreitet er im Namen des Bundesrates ein Gesuch um den Beitritt der Schweiz zur Organisation.

  • 1948: In seiner Botschaft vom 20. August 1948 ersucht der Bundesrat die Eidgenössischen Räte, ihm die Vollmacht zur Unterzeichnung der Konvention vom 16. November 1945 zur Gründung der UNESCO zu erteilen und den Bundesbeschluss über den Beitritt der Schweiz zur Organisation zu genehmigen.

  • 1949: Am 28. Januar 1949 wird die Schweiz offiziell Mitglied der UNESCO.

Im Anschluss an diesen Beitritt setzt der Bundesrat im Jahr 1949 die Schweizerische UNESCO-Kommission ein (siehe Rubrik «Geschichte» unter «Die Schweizerische UNESCO-Kommission»).

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Offizielle Vertretung der Schweiz bei der UNESCO

Die Schweiz ist am Sitz der UNESCO in Paris durch eine Ständige Delegation vertreten, die der Autorität eines bei der Organisation akkreditierten Botschafters oder einer Botschafterin untersteht. Die Ständige Delegation pflegt den Austausch mit den Leitungsorganen – dem Sekretariat, der Generalkonferenz und dem Exekutivrat – sowie mit verschiedenen zwischenstaatlichen Räten. Sie nimmt im Namen der Schweiz an deren Arbeiten teil, beteiligt sich an Verhandlungen und Debatten und vertritt die nationalen Prioritäten. In diesem Rahmen verfolgt sie die Entscheidungsprozesse der Organisation sowie die laufenden Arbeiten.

Neben ihrem Mandat bei der UNESCO vertritt die Ständige Delegation der Schweiz auch die Schweiz bei der Internationalen Organisation der Frankophonie (OIF), deren Sitz sich ebenfalls in Paris befindet.

Institutionelle Verbindung zwischen Paris und Bern

Die Tätigkeit der Ständigen Delegation erfolgt in enger Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA), insbesondere mit der UNESCO-Sektion der Abteilung UNO in Bern.

Von Bern aus koordiniert und erarbeitet die UNESCO-Sektion die schweizerischen Positionen gegenüber der UNESCO in Abstimmung mit den betroffenen Departementen und Bundesämtern der Bundesverwaltung, je nach behandelter Thematik. Sie fungiert zudem als zentrale Anlaufstelle für die gesamte Bundesverwaltung in allen UNESCO-bezogenen Fragen. Diese Aufgabenteilung zwischen Paris und Bern ermöglicht es der Schweiz, kohärent, fundiert und koordiniert an den Arbeiten der UNESCO teilzunehmen.

Darüber hinaus führt die UNESCO-Sektion das Sekretariat der Schweizerischen UNESCO-Kommission, die einen zentralen Mechanismus zur Verbindung zwischen der Organisation und den Akteuren in der Schweiz darstellt. In dieser Funktion trägt die Kommission zur Verankerung der Programme und Prioritäten der UNESCO auf nationaler Ebene bei und fördert die Koordination der beteiligten Akteure.

Tapisserie, 1963 von der Schweiz der UNESCO geschenkt, ausgeführt vom Gobelinwirker Pinton nach einem Entwurf von Le Corbusier © UNESCO/J.-C. Bernath

Finanzielle Beiträge der Schweiz an die UNESCO

Die Schweiz beteiligt sich an der Finanzierung der UNESCO durch Pflichtbeiträge und freiwillige Beiträge. Die Pflichtbeiträge werden gemäss dem Beitragsschlüssel der Vereinten Nationen berechnet, der sich an der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit der Mitgliedstaaten orientiert. Sie fliessen in das ordentliche Budget der Organisation, das den allgemeinen Betrieb der UNESCO, die Personalkosten sowie die Umsetzung der Grundprogramme finanziert.

Der Anteil der Schweiz beläuft sich derzeit auf rund 1,05 % des ordentlichen UNESCO-Budgets, was etwa 3,4 Millionen Schweizer Franken pro Jahr entspricht.

Ergänzend kann die Schweiz freiwillige Beiträge zur Unterstützung spezifischer Projekte oder Prioritäten der UNESCO leisten. Diese Beiträge fördern gezielte Massnahmen in den Zuständigkeitsbereichen der Organisation und verstärken die Wirkung ihrer Aktivitäten vor Ort.

Schweizer Personal am Sitz der UNESCO

Schweizer Staatsangehörige arbeiten im Sekretariat der UNESCO am Sitz in Paris. Als internationale Beamtinnen und Beamte üben sie ihre Funktionen unabhängig von nationalen Behörden aus, gemäss den Grundsätzen des internationalen öffentlichen Dienstes. Mit ihrer Fachkompetenz und ihrem Engagement tragen sie zur Erfüllung der Aufgaben der UNESCO in ihren verschiedenen Tätigkeitsbereichen bei.

Die Rekrutierung des internationalen Personals erfolgt nach dem Prinzip des geografischen Gleichgewichts, insbesondere für Stellen auf Fach- und Leitungsebene. Zu diesem Zweck wird jedem Mitgliedstaat ein indikatives Kontingent zugewiesen. Wird dieses nicht erreicht, ermutigt das UNESCO-Sekretariat gezielt Bewerbungen aus den betreffenden Staaten, einschliesslich der Schweiz.

Im Laufe der Jahrzehnte haben zahlreiche Schweizer Persönlichkeiten verantwortungsvolle und einflussreiche Funktionen innerhalb der Organisation ausgeübt. Mehr erfahren.

Dazu zählen insbesondere:

  • Jean Piaget, eine zentrale Figur der Bildungspsychologie, präsidierte mehrere UNESCO-Kommissionen im Bereich Bildung, insbesondere im Rahmen des Internationalen Büros für Erziehung (IBE). Als Präsident der Programmkommission der UNESCO (1950–1951) spielte er eine entscheidende Rolle bei den Bemühungen um die Ansiedlung des CERN in Genf – ein Projekt, das unter dem Dach der UNESCO initiiert wurde.

  • Jeanne Hersch, Genfer Philosophin, leitete von 1966 bis 1968 die Philosophieabteilung der UNESCO. Anschliessend war sie von 1970 bis 1972 Mitglied des Exekutivrats der Organisation als Vertreterin der Schweizerischen UNESCO-Kommission.

  • Pierre de Senarclens, Politologe und Professor an der Universität Genf, war von 1980 bis 1983 Direktor der UNESCO-Abteilung für Menschenrechte und Frieden. Er ist bekannt für seine Arbeiten zu internationalen Organisationen, globaler Governance und Multilateralismus.

  • Alain Modoux, Journalist und Experte für internationale Kommunikation, war Beigeordneter Generaldirektor der UNESCO für Meinungsfreiheit, Demokratie und Frieden. Er spielte eine Schlüsselrolle bei der Einführung des Welttags der Pressefreiheit und bei der Verabschiedung der Erklärung von Windhoek im Jahr 1991.

  • Flavia Schlegel, Ärztin und Wissenschaftlerin, war von 2014 bis 2019 Beigeordnete Generaldirektorin der UNESCO für Naturwissenschaften. Zuvor hatte sie leitende Funktionen in den Bereichen Wissenschaft, Innovation und Wissenschaftsdiplomatie inne.