Neue Publikation: Vorschläge für eine Politik der frühen Kindheit in der Schweiz

Für kleine Kinder und ihre Familien hat sich viel verändert: Das familienergänzende Betreuungsangebot wurde ausgebaut und qualitativ verbessert. Aber es gibt weiterhin Lücken: Vielerorts fehlen die Rahmenbedingungen für gute pädagogische Arbeit, es mangelt an bedarfsgerechten Betreuungsangeboten und hohe Kosten belasten die Familienbudgets. Die Schweizerische UNESCO-Kommission fordert nun einen Quantensprung und präsentiert eine neue Publikation mit Vorschlägen für eine Politik der frühen Kindheit in der Schweiz.

PDFhttps://www.unesco.ch/wp-content/uploads/2019/02/Publikation_Für-eine-Politik-der-frühen-Kindheit-1.pdf

Bestellung: https://www.unesco.ch/fur-eine-politik-der-fruhen-kindheit-pour-une-politique-de-la-petite-enfance-per-una-politica-della-prima-infanzia/

 

Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE)
Die Lernerfahrungen in den ersten Lebensjahren sind die Grundlage der Entwicklung jedes Kindes. Der Start ins lebenslange Lernen wird ermöglicht durch alles, was man unter dem Fachbegriff Frühkindliche Bildung, Betreuung und Erziehung (FBBE) oder unter Früher Förderung versteht. Das reicht von der gesundheitlichen Versorgung in der Schwangerschaft über Elternbildung und -beratung bis zu Spielgruppen und Kitas. Alle diese Angebote ersetzen die Familie nicht, sondern unterstützen sie und ermöglichen so allen Kindern ein gesundes Aufwachsen. In den letzten Jahren haben Bund, Kantone und Gemeinden, aber auch private Initiativen und freie Stiftungen begonnen, die Rahmenbedingungen für das Aufwachsen von Kindern zu verbessern. Doch der Handlungsbedarf bleibt gross. Wenn es nicht gelingt, eine kohärente Politik auf den verschiedenen staatlichen Ebenen unter Beizug der Zivilgesellschaft zu etablieren, bleiben die bisherigen Massnahmen ein Flickwerk mit wenig Wirkung.

Politik für Kinder und ihre Familien
Damit alle Kinder in der Schweiz gleich gute Chancen haben, braucht es dringend eine Politik der frühen Kindheit. Das fordert die Schweizerische UNESCO-Kommission, die seit 2006 die Anliegen der frühkindlichen Bildung vertritt. Nur so seien Rahmenbedingungen zu schaffen, damit Angebote von hoher Qualität entstehen, die für alle erschwinglich sind. Die Kommission orientiert sich dabei an den Bedürfnissen der Kinder und ihrer Bezugspersonen. Die Politik der frühen Kindheit hilft, Familie und Beruf besser zu vereinbaren und sorgt für gerechtere Chancen beim Eintritt in den Kindergarten. Vier Pfeiler für eine Politik der Frühen Kindheit präsentiert die neue Publikation:

• Bedarfsgerechte Angebote für alle sollen bereitgestellt werden.
• Angebote und Akteure sollen sich koordinieren und vernetzen.
• Die Qualität der FBBE-Angebote soll gesichert und verbessert werden.
• Die Finanzierung aller FBBE-Massnahmen soll als Investition in die Zukunft verstärkt werden.

Dazu braucht es eine abgestimmte Vorgehensweise verschiedener Politikbereiche, die das Kleinkind unmittelbar betreffen. Zudem ist ein gemeinsames Handeln der verschiedenen politischen Ebenen in Gemeinden, Städten, Regionen, Kantonen und Bund notwendig. Aus diesem Grund hat die Schweizerische UNESCO-Kommission die neue Publikation unter breiter Mitwirkung vieler politisch Verantwortlicher und Fachpersonen aus allen Landesteilen erarbeitet.

Investitionen in die frühe Kindheit lohnen sich
Viele Studien zeigen, dass Investitionen in die frühkindliche Bildung sehr rentabel sind. Denn Kinder, die in den ersten Jahren gut gebildet, betreut und erzogen werden, sind später gesünder, zufriedener und erfolgreicher. Deshalb lohnt sich eine Politik der frühen Kindheit auch volkswirtschaftlich. Und weil eine zugängliche, qualitativ hochstehende und breit vernetzte frühkindliche Förderung den Kindern selber, ihren Familien, und schliesslich der ganzen Gesellschaft zugutekommt, wird diese Politik der frühen Kindheit breiten Nutzen stiften. Werden diese Investitionen weiter aufgeschoben, bleibt sehr viel Potenzial ungenutzt.

Gut eingebettet in die «Agenda 2030»
Die Schweizerische UNESCO-Kommission unterstützt die globalen Bildungsziele der UNO, wie sie in der «Agenda 2030» zum Ausdruck kommen. Dort heisst es unter anderem: «Allen Mädchen und Jungen den Zugang zu hochwertiger frühkindlicher Bildung, Betreuung und Erziehung sichern, die ihnen einen erfolgreichen Übergang in die Schule ermöglichen». Auch die Schweiz ist aufgefordert, dieses Ziel auf nationaler Ebene umzusetzen. Die neue Publikation «Für eine Politik der frühen Kindheit», welche in Deutsch, Französisch und Italienisch erhältlich ist, wird einen entscheidenden Beitrag dazu leisten, dieses Ziel zu erreichen.