Programm «Der Mensch und die Biosphäre»

Das 1971 begründete Programm «Der Mensch und die Biosphäre» (Man and Biosphere, MAB) ist ein zwischenstaatliches Wissenschaftsprogramm mit dem Ziel, eine wissenschaftliche Grundlage für die Verbesserung des Verhältnisses zwischen Mensch und Natur in globaler Hinsicht zu schaffen. Mit diesem Forschungsprogramm, das Natur- und Sozialwissenschaften miteinander verknüpft, soll die Problematik der nachhaltigen Entwicklung interdisziplinär angegangen werden. Das MAB fördert innovative Lösungen für eine nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung, die dem sozialen und kulturellen Kontext Rechnung tragen, und stützt sich dabei auf einen breit gefächerten und integrierten Ansatz.

 Ursprünglich war dieses zwischenstaatliche Programm rein wissenschaftlich angelegt und dazu gedacht, neben den ökologischen auch die sozialen und ökonomischen Aspekte des Verlusts an biologischer Vielfalt zu untersuchen. Der Übergang zur praktischen Anwendung erfolgte 1976 mit der Errichtung des Weltnetzes der Biosphärenreservate. Dahinter steht konkret die Absicht, einen Ausgleich zwischen häufig gegensätzlichen Zielen zu schaffen: Erhaltung der biologischen Vielfalt und Bewahrung traditioneller Kulturen einerseits und wirtschaftliche Entwicklung andererseits. Als «Freiluftlabore» definieren und testen Biosphärenreservate innovative Konzepte für eine nachhaltige Entwicklung auf lokaler und internationaler Ebene.

Das MAB-Programm ist eine einzigartige Plattform für die wissenschaftliche Zusammenarbeit in den Bereichen Forschung und Entwicklung, Kapazitätsaufbau und Informations-, Wissens- und Erfahrungsaustausch zu drei miteinander verknüpften Themen: Verlust an biologischer Vielfalt, Klimawandel und nachhaltige Entwicklung. Es trägt nicht nur zu einem besseren Verständnis der Umwelt bei, sondern fördert auch eine stärkere Einbindung von Wissenschaftlern in die Konzeption einer Politik für den vernünftigen Umgang mit der biologischen Vielfalt.

Biosphärenreservate sind nur selten «ursprüngliche» Biotope – viel öfter sind es Kulturlandschaften, die sich in Jahrhunderten menschlicher Nutzung gebildet haben und umgestaltet wurden. Damit die UNESCO den Vorschlag eines Staates zur Anerkennung eines Gebiets als Biosphärenreservat annimmt, muss das Gebiet für einen Landschaftstyp charakteristisch sein, der besonders schützenswert ist, und zugleich modellhaft nachhaltige Entwicklung umsetzen. Die Anträge müssen den Zielen, Grundsätzen und Leitlinien der UNESCO für Biosphärenreservate entsprechen.

Derzeit gibt es 669 Biosphärenreservate in 120 Ländern (Stand: 30. März 2017), die alle zum Weltnetz der Biosphärenreservate gehören. Dieses Netz wird zentral von einem Internationalen Koordinierungsrat geleitet. Das Programm sieht mehrere Aktivitäten vor, die verschiedene Ökosysteme betreffen, etwa Gebirgsregionen, Trockengebiete, tropische Wälder, urbane Landschaften, Feuchtgebiete, Inseln und Küstenökosysteme. Der Rat tritt einmal jährlich zusammen und entscheidet über die Errichtung neuer Biosphärenreservate.

Entsprechend den Auflagen der UNESCO müssen für die Biosphärenreservate strenge Zonierungsregeln befolgt werden, die sich nach den natürlichen Eigenschaften und der Intensität der menschlichen Tätigkeit in den jeweiligen Zonen richten. In den einzelnen Zonen gelten unterschiedliche Regeln. Jedes Biosphärenreservat muss in drei voneinander abhängige Zonen unterteilt werden, die drei komplementäre Funktionen erfüllen und sich gegenseitig verstärken.

  • Eine Kernzone: Die Kernzone ist der am stärksten geschützte Bereich zur Erhaltung der biologischen Vielfalt. Hier befinden sich die Ökosysteme, in denen der Mensch den geringsten Einfluss ausübt. Die Kernzone erfüllt im Wesentlichen eine Schutzfunktion.
  • Eine Pufferzone: Die Pufferzone (auch Pflegezone) umgibt in der Regel die Kernzone oder grenzt an sie an und darf für umweltverträgliche Aktivitäten, etwa extensive Landnutzung und Ökotourismus, aber auch für angewandte Forschung und Grundlagenforschung genutzt werden.
  • Eine Entwicklungszone: In der Entwicklungszone sind die meisten Nutzungsformen erlaubt. Sie dient der Förderung einer soziokulturell und ökologisch nachhaltigen wirtschaftlichen und menschlichen Entwicklung und erfüllt somit eine zentrale Funktion bei der Zusammenarbeit von örtlichen Gemeinschaften, Wissenschaftlern und anderen Akteuren in Untersuchungen zur Nachhaltigkeit.

Das in der Schweiz für Fragen im Zusammenhang mit Biosphärenreservaten und dem MAB-Programm zuständige Amt ist das BAFU (Biosphärenreservate – Modelle für sorgsame Bewirtschaftung des Lebensraums). 2013 wurde ein Schweizer MAB-Komitee ins Leben gerufen, in dem die Schweizerische UNESCO-Kommission vertreten ist. Sein Ziel ist es, das Programm in der Schweiz zu verankern und die Koordination mit der UNESCO sicherzustellen.

In der Schweiz gibt es zwei Biosphärenreservate: Biosphäre Entlebuch und Biosphäre Schweizer Nationalpark «Val Müstair Parc Naziunal».

 

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