Die UNESCO-Kommissionen Europas (und darüber hinaus) verurteilen den Angriff auf die Ukraine

Angesichts des russischen Angriffs auf die Ukraine äussern sich erstmals die UNESCO-Kommissionen von über 35 Staaten gemeinsam und haben folgende Erklärungen untergezeichnet:

Die jüngsten Ereignisse stellen einen Wendepunkt für die Ukraine, Europa und die ganze Welt dar.

Die UNESCO-Kommissionen Europas (und darüber hinaus) verurteilen den Angriff der Russischen Föderation auf die Ukraine auf das Schärfste. Wir bringen unsere Solidarität mit den Einwohnerinnen und Einwohnern der Ukraine zum Ausdruck, einschliesslich der Journalistinnen und Journalisten, die aus dem Kriegsgebiet berichten, sowie mit den Lehrkräften, Studierenden und Schülerinnen und Schülern, die das Recht auf Bildung in Frieden haben. Wir unterstützen nachdrücklich unsere Partner, die sich für die Ziele und Werte der UNESCO in der Ukraine und darüber hinaus einsetzen.

Am 24. Februar rief die UNESCO zur Achtung des humanitären Völkerrechts auf. Sie forderte insbesondere die Wahrung der Informationsfreiheit, den Schutz von Medienschaffenden und die Einhaltung der Haager Konvention zum Schutz von Kulturgut bei bewaffneten Konflikten. Insgesamt sieben UNESCO-Welterbestätten befinden sich in der Ukraine. Nach der jüngsten Eskalation der Gewalt forderte der UN-Generalsekretär António Guterres den russischen Präsidenten auf, seine Truppen aus der Ukraine abzuziehen.

Ausstellung WE LOVE ÄNTLIBUECH – Nachhaltige Lebensqualität im Entlebuch

Schöne Landschaften nehmen eine wichtige Rolle in der Bereitstellung hoher Lebensqualität ein: Sie verschaffen ästhetischen Genuss und bieten optimale Bedingungen für Erholung, Bewegung und Wohnen, dazu stärken sie die Identifikation mit der Region und schaffen Heimatgefühle. © UNESCO Biosphäre Entlebuch, Fotograf: Martin Mägli

Was macht Lebensqualität aus? Was bietet das Entlebuch hinsichtlich Lebensqualität? Wie nachhaltig gehen wir mit unserer Lebensqualität um? Wie könnte die Lebensqualität zukünftiger Generationen aussehen? Auf diese und ähnliche Fragen, die alle Menschen gleichermassen betreffen, geht eine interaktive Ausstellung ein, welche die UNESCO Biosphäre Entlebuch zusammen mit dem Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern und dem Entlebucherhaus am 30. September 2021 in Schüpfheim eröffnet.

Was macht Lebensqualität aus? Was bietet das Entlebuch hinsichtlich Lebensqualität? Wie nachhaltig gehen wir mit unserer Lebensqualität um? Wie könnte die Lebensqualität zukünftiger Generationen aussehen? Auf diese und ähnliche Fragen, die alle Menschen gleichermassen betreffen, geht eine interaktive Ausstellung ein, welche die UNESCO Biosphäre Entlebuch zusammen mit dem Zentrum für Nachhaltige Entwicklung und Umwelt (CDE) der Universität Bern und dem Entlebucherhaus am 30. September 2021 in Schüpfheim eröffnet.

Was ist nachhaltige Lebensqualität? Nachhaltige Lebensqualität ist ein vielschichtiges Konzept, das alle Aspekte, welche als Summe Lebensqualität ergeben, berücksichtigt und diese hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Auswirkungen bewertet. Die so definierte Lebensqualität schliesst Gerechtigkeit zwischen und innerhalb Generation mit ein und umfasst folgende Aspekte: Soziale Beziehungen und Gleichstellung, Natur und Landschaft, Erwerbstätigkeit und Einkommen, Partizipation und Zugehörigkeit, Wohnen, Mobilität, Gesundheit und Sicherheit, Bildung und Wissen. Mehr Informationen zum Forschungsprojekt: www.cde.unibe.ch

Die Ausstellung baut auf Forschungsresultaten auf, welche im Rahmen eines nationalen Projektes mit dem Titel «Nachhaltige Lebensqualität in Pärken von nationaler Bedeutung» an der Universität Bern durchgeführt wurde. Im Projekt wurde mittels gezielten Interviews und breiten Umfragen eruiert, welche Lebensaspekte verantwortlich für hohe Lebensqualität sind, wie diese in der Bevölkerung der verschiedenen Regionen ausgeprägt sind und wie nachhaltig der Umgang mit ihnen einzuschätzen ist.

In der Ausstellung werden die wichtigsten Aspekte aus dem Forschungsprojekt aufgegriffen, verarbeitet und anhand von Portraits greifbar gemacht: Sechs Protagonisten und Protagonistinnen mit unterschiedlichen Hintergründen erzählen, was für sie Lebensqualität ist. Dies ist der Ausgangspunkt dafür, sich selbst Gedanken zum Thema zu machen und diese mit den Forschungsresultaten abzugleichen. Die Ausstellung regt zum Mitdenken an, indem das Publikum mit verschiedenen Ansichten und Aussagen konfrontiert wird, die allesamt einen direkten Bezug zum eigenen Leben herstellen. Und sie regt zum Mitwirken an, indem Wünsche geäussert werden dürfen, welche ausgewertet und lokalen Entscheidungsträgern zugespielt werden.

Ergänzt wird die Ausstellung von einem Begleitprogramm, das verschiedene thematische Aspekte vertieft und zum Mitdiskutieren ermuntert. Einzelne Elemente davon werden später wiederum in die Ausstellung integriert. Damit wird nicht zuletzt das ganze Ausstellungsprojekt selber nachhaltig ausgestaltet: dank des partizipativen Ansatzes erhofft sich die UNESCO Biosphäre Entlebuch, die Diskussion rund um eine nachhaltige Lebensqualität im Entlebuch langfristig in der Bevölkerung zu verankern.

Ausstellungsort: Entlebucherhaus, Schüpfheim; www.entlebucherhaus.ch
Ausstellungsdauer: 30.9.2021 – 20.3.2022
Mehr Informationen zur Ausstellung und zum Begleitprogramm finden sich hier: www.biosphaere.ch/ausstellung.

Unterstützung für Forscher und akademische Freiheit in Afghanistan

Was die Schweizer Hochschulen tun können

Angesichts der sich rasch entwickelnden Ereignisse in Afghanistan teilt die Schweizerische UNESCO-Kommission die Besorgnis vieler Teile der Bevölkerung, einschliesslich der lokalen wissenschaftlichen Gemeinschaft und des Personals im Bildungssektor. Ohne Schutzmaßnahmen wird die Situation der Unsicherheit, der Angst und des Lebensrisikos, mit dem sie konfrontiert sind, dramatische Auswirkungen auf die zukünftige Entwicklung des Landes haben.

Die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte, die 1948 von der Generalversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet wurde, besagt, dass jeder Mensch das Recht hat, frei am kulturellen Leben der Gemeinschaft teilzunehmen und am wissenschaftlichen Fortschritt und seinen Vorteilen teilzuhaben, was kürzlich in der UNESCO-Empfehlung zu Wissenschaft und wissenschaftlichen Forschern bekräftigt wurde.

Der Auftrag von Scholars at Risk (SAR) ist in diesem Zusammenhang besonders wichtig. SAR ist ein internationales Netzwerk von fast 500 Universitäten, die sich weltweit für die Grundsätze der akademischen Freiheit einsetzen und bedrohte Forscher schützen. Die Schweizerische UNESCO-Kommission hat eine konstruktive Zusammenarbeit mit dem SAR aufgebaut, die durch den beratenden Status des SAR bei der UNESCO und den gemeinsamen Auftrag zum Schutz der Wissenschaft und gefährdeter Wissenschaftler sowie zur Förderung der akademischen Freiheit erleichtert wird.

Vor kurzem hat der SAR eine Dringlichkeitsaktion zu Afghanistan gestartet und seine Unterstützung für afghanische Forscher, Lehrer und Praktiker, die sich in großer Gefahr befinden, bekräftigt. Die europäischen Regierungen und Institutionen sind aufgefordert, Maßnahmen zu ergreifen. Bei den meisten von ihnen handelt es sich um Personen, die sich durch ihre Lehrtätigkeit, ihre Forschung, ihre Veröffentlichungen oder ihre öffentlichen Aktivitäten öffentlich für eine pluralistische, die Rechte achtende und demokratische Zukunft Afghanistans eingesetzt haben und die deshalb der ernsten und unmittelbaren Gefahr von Repressalien ausgesetzt sind.

Die Schweizer Sektion des SAR, zu der die beiden Eidgenössischen Technischen Hochschulen, die kantonalen Universitäten und die Fachhochschulen gehören und die von swissuniversities und den Akademien der Wissenschaften Schweiz getragen wird, hat kürzlich in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) eine wichtige Initiative gestartet, um den Aufenthalt von Flüchtlingsforschern an Schweizer Hochschulen im Rahmen des SNF-Förderprogramms für den wissenschaftlichen Austausch zu unterstützen.

Die Schweizerische UNESCO-Kommission unterstützt diese Initiative und ermutigt die Schweizer Hochschulen nachdrücklich, sich ihr anzuschliessen. Die Kommission begrüßt die jüngste Forderung des SNF nach internationalen Bemühungen zum Schutz der Sicherheit und Freiheit der afghanischen Forschenden, denn auch wir sind der Meinung, dass das Wissenschaftssystem frei, vielfältig und weltoffen sein sollte. Dieser Grundsatz ist in Gefahr, wenn Wissenschaftler und ihre Familien bedroht sind.

Wir sind der Auffassung, dass der Schutz des wissenschaftlichen Humankapitals, der wissenschaftlichen Forschung und der akademischen Freiheit notwendig ist, um die Wahrnehmung anderer Menschenrechte des afghanischen Volkes sowie die Entwicklung und den nachhaltigen Frieden in Afghanistan zu gewährleisten.

Hier finden Sie weitere Informationen darüber, wie die Schweizer Universitäten in Zusammenarbeit mit dem SNF und SAR helfen können:

Unterstützung von Forschenden aus Afghanistan

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte:

Afghanistan – UNESCO calls for the protection of cultural heritage in its diversity

UNESCO Director General calls for unhindered right to education in Afghanistan

Digitalisierung: Herausforderung für Leben und Umwelt

Die ökologischen und menschlichen Folgen der zunehmenden Digitalisierung sind eine zivilisatorische Herausforderung. Wo braucht es Grenzen, und wer kann sie setzen?

Die Digitalisierung kann Teil der Lösung der Klimaproblematik sein. Sie ist aber auch ein wichtiger Verursacher von Treibhausgasemissionen, und sie verbraucht und zerstört natürliche und energetische Ressourcen.

Die umweltschädliche Gewinnung von seltenen Erden, ihre Verarbeitung, die gesamte Kette der Herstellung, des Transports und der Bereitstellung der in IT und Telekommunikation benötigten Komponenten sowie der Export von Rohstoffen für ihre Umwandlung in elektronische Geräte und ihr Import als fertige Produkte in die Verbraucherländer, haben erhebliche Auswirkungen auf die Umwelt. Ausserdem erhöht der Energieverbrauch bei der Nutzung und dem Betrieb von digitalen Infrastrukturen die Umwelt- und Klimabelastung.

Die Gesellschaft setzt bei ihrer weiteren Entwicklung und Organisation jedoch immer mehr auf IT, ohne in ausreichendem Masse zu hinterfragen, welche soziotechnischen Abhängigkeiten und Gefährdungspotenziale und welche gesundheitlichen und ökologischen Risiken damit verbunden sind. Die Digitalisierung stellt uns vor ökologische und zivilisatorische Herausforderungen, welche die Frage nach unserer Verantwortung für die Welt, die wir künftigen Generationen hinterlassen, in den Fokus rücken. Beruhen die Digitalisierungsentscheide auf einer ganzheitlichen Sicht, die kurz- und langfristige Bedürfnisse mit einbezieht und Überlegungen zur Knappheit und Endlichkeit natürlicher Ressourcen integriert? Sind sie mit dem Schutz der Umwelt und der Biodiversität vereinbar?

Dazu kommt: Die zunehmende Digitalisierung macht die Gesellschaft immer angreifbarer und abhängiger. Die Risiken der Zerstörung des Ökosystems, das die Grundlage des Lebens ist, sind komplex und nicht zu unterschätzen. Um Krisen katastrophalen Ausmasses zu verhüten, müssen diese Risiken ausgeschaltet werden. Die Bemühungen, die Digitalisierung nachhaltiger, ethischer und inklusiver zu gestalten, sind zu begrüssen, sie reichen aber nicht aus, um angemessen auf die Ziele für eine nachhaltige Entwicklung (Agenda 2030) und die Dringlichkeit der Klimafrage zu reagieren.

Es braucht dringend ein Umdenken bezüglich der Digitalisierung, der strategischen Ausrichtung und der Ressourcenallokation. Ebenso dringend ist die Entwicklung von künstlicher Intelligenz, deren Ziel es sein sollte, zum Schutz der Umwelt und der Lebewesen, zur Achtung der Menschenwürde, der Menschenrechte und der Grundfreiheiten, zur Förderung von Vielfalt und Inklusion und damit zu einem Leben in Frieden und Harmonie beizutragen. Denken wir über die Welt von morgen (und damit die Welt von heute) nach, muss der Fokus auf den Grenzen des ungehinderten Ausbaus der Digitalisierung liegen.

Prof. Solange Ghernaouti
Direktorin des Swiss Cybersecurity advisory & Research Group, Université de Lausanne
Präsidentin der Stiftung SGH Institut de recherche Cybermonde
Membro della Commissione svizzera per l’UNESCO

Die in diesem Artikel geäusserten Ansichten sollen eine Debatte auslösen. Sie liegen in der alleinigen Verantwortung des Autors und sind nicht unbedingt repräsentativ für die Meinung der Schweizerischen UNESCO-Kommission.

Welttag des audiovisuellen Erbes 2019

Die UNESCO hat den 27. Oktober zum Welttag des audiovisuellen Erbes erklärt. Unter dem diesjährigen Motto «Engage the Past Through Sounds and Images» wird an diesem Tag weltweit auf die Bedeutung von Bildern und Tönen aufmerksam gemacht.

In der Schweiz koordiniert Memoriav in Abstimmung mit der Schweizerischen UNESCO-Kommission die Projekte aller Einrichtungen, die ihre audiovisuellen Archive an diesem Tag ins Rampenlicht rücken möchten. Immer mehr Schweizer Institutionen mit Ton- und Bildsammlungen mobilisieren sich für den Welttag des audiovisuellen Erbes und machen auf ein reichhaltiges und schützenswertes Kulturgut aufmerksam.

Konferenzen, Screenings, Tag der offenen Tür, Workshops, Ausstellungen oder Home Movie Day – entdecken Sie die rund um den 27. Oktober in der ganzen Schweiz organisierten Veranstaltungen!

70 Jahre UNESCO in der Schweiz: Den Geist der UNESCO zu feiern bedeutet, den Frieden zu pflegen

Vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg nach mehr als vier Jahren unsäglichen Leidens und Blutvergiessens, die die Menschheit – in den Worten des IKRK – auseinandergerissen haben. Vor achtzig Jahren bahnte sich dann der Zweite Weltkrieg an, in dem die Menschheit wieder von Hass und Gewalt heimgesucht werden würde. Es lohnt sich, zurückzublicken und sich in Erinnerung zu rufen, dass die Schweiz in diesen Momenten die Bestätigung ihrer Neutralität erwirken würde, was sich auch in der Wahl von Genf zum Sitz des Völkerbundes widerspiegelt. Eine Neutralität, deren künftige Fortdauer der Schweiz zugesichert wurde, um ihre humanitäre Tradition und ihre Kompetenz im Bereich der guten Dienste zu unterstützen.

Vor siebzig Jahren – 1948 – verabschiedete die UNO die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und ein Jahr später wurden die Genfer Konventionen unterzeichnet. Aufgrund dieser Dynamik trat die Schweiz 1949 auch der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, bei und rief eine nationale UNESCO-Kommission ins Leben, die 2019 ihr 70-jähriges Bestehen feiern wird. Es lohnt sich, diese Momente in Erinnerung zu rufen, als die Schweiz zwar neutral war, sich aber in der internationalen Gemeinschaft engagierte für die Förderung des Bewusstseins unserer gemeinsamen Menschheit, für die Verwirklichung der Menschenwürde, die jeder und jedem zusteht, und für einen nachhaltigen Frieden, den jeder Mensch anstreben darf.

Den damaligen Willen wollen wir heute würdigen, indem wir in diesen Zeiten der Unsicherheit, der Angst, der Abschottung und des sich ausbreitenden Relativismus nicht bloss die Erinnerung daran aufrechterhalten, sondern uns für den freien Meinungsaustausch und die intellektuelle Zusammenarbeit stark machen. Im Sinne der Weltbürgerschaft organisieren wir vom 17. bis 21. Juni 2019 im Herzen der Bundeshauptstadt eine UNESCO-Woche. Ein speziell gestaltetes Areal auf dem Waisenhausplatz wird Gelegenheit bieten, die UNESCO und ihre Arbeit kennenzulernen, und gleichzeitig als Begegnungsort für all jene dienen, die die UNESCO in der Schweiz unterstützen und mittragen. Die Schweizerische UNESCO-Kommission freut sich bereits heute auf Ihren Besuch und wünscht Ihnen schöne Feiertage.

#70SwissUNESCO

Nicolas Mathieu
Generalsekretär der Schweizerischen UNESCO-Kommission

Offizielle Lancierung des UNESCO-Weltbildungsberichts 2019

Am 20. November 2018 wurde im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Berlin, und somit zum ersten Mal in Deutschland, der UNESCO-Weltbildungsberichts in Anwesenheit der Generaldirektorin der UNESCO, Audrey Azoulay, vorgestellt. Schwerpunkte des Berichts sind Migration, Flucht und Bildung, wobei das Recht auf Bildung den roten Faden der Veranstaltung bildete.

Obwohl vor 70 Jahren das Recht auf Bildung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert wurde, ist heute noch vielen Migranten das Recht auf Bildung verwehrt, und dies zu einer Zeit in welcher so viele Menschen auf der Flucht sind wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Zum Auftakt kündigte Martin Jäger, Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an, dass Deutschland seinen Beitrag für Education Cannot Wait verdoppeln wird, da die Bundesregierung überzeugt ist, dass Bildung den Schlüssel für die Entwicklung des Einzelnen, sowie der ganzen Gesellschaft, darstellt.

Die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer, unterstrich, dass Bildung die wichtigste Ressource unserer Gesellschaft ist, und dass der Weltbildungsbericht den dringenden Handlungsbedarf aufzeigt, um das Bildungsziel SDG 4 bis 2030 zu erreichen. Volker Türk, Beigeordneter Flüchtlingskommissar für Schutzfragen, UNHCR, wies darauf hin, dass Flüchtlinge stets Zugang zu einer guten Bildung und die Aufnahme in nationale – und nicht parallele – Bildungssysteme fordern.

Der Bericht wirbt für die Notwendigkeit, in die Bildung von Migranten und Flüchtlingen zu investieren, und Partnerschaften – nicht nur mit dem UNO-System, sondern auch mit Regierungen, zivilgesellschaftlichen Gruppen, dem privaten Sektor, etc. – auszubauen. So soll eine Investition in Flüchtlinge auch als Investition in Aufnahmegemeinschaften und in die Stabilität eines Landes gesehen werden.

Die Resultate des Berichts – i. e. über die Auswirkungen der Migrationsströme auf die Bildung und über die Bedürfnisse der Migranten und Flüchtlinge – wurden von Manos Antoninis, Direktor des Weltbildungsberichts, vorgestellt. Er betonte, dass Bildung Migrationsströme prägt, denn je höher die Bildung, desto grösser die Wahrscheinlichkeit zu emigrieren und desto grösser die Offenheit gegenüber Migration. Antoninis zählte die 7 Empfehlungen des Berichts auf:

  • Das Recht von Migranten und Flüchtlingen auf Bildung schützen;
  • Migranten und Flüchtlinge in nationale Bildungssysteme einbinden;
  • Bildungsbedürfnisse von Migranten und Flüchtlingen erfassen und in die Planung einbeziehen;
  • Die Geschichte von Migration und Flucht im Unterricht richtig darstellen, um Vorurteile zu hinterfragen;
  • Lehrkräfte von Migranten und Flüchtlingen auf Vielfalt und Härten vorbereiten;
  • Das Potential von Migranten und Flüchtlingen nutzen;
  • Bildungsbedürfnisse von Migranten und Flüchtlingen in der Humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit fördern.

Zuletzt wies er auf die erheblichen Ungleichheiten, welche heutzutage in der Welt existieren, hin. So haben z.B. 2014-2017 weltweit 49% die Oberstufe abgeschlossen, wobei dies in Niedrigeinkommensländer nur 18% waren und bei den ärmsten Mädchen nur 1%.

Call for Projects: Forschungsförderung im Rahmen des internationalen UNESCO-Programms “Man and the Biosphere”

Im Rahmen des internationalen UNESCO-Programms „Man and Biosphere“ besteht ab sofort die Möglichkeit, Vorschläge zur Förderung neuer Forschungsprojekte in Schweizerischen und Österreichischen Biosphärenreservaten einzureichen.

Die Forschungsvorhaben sollen dabei in wissenschaftlich innovativer und integrativer Weise sowohl neue Strategien für nachhaltige Entwicklungen in Biosphärenreservaten ermöglichen, als auch zu neuen Erkenntnissen zum praktischen Management von Biosphärenreservaten beitragen.
Die Anträge in englischer Sprache können mit dem Antragsformular ab sofort und noch bis zum 3. Februar 2019 eingereicht werden, anschliessend entscheidet ein internationales Begutachtungsverfahren über die Projektvergabe.

Sämtliche Details zur Ausschreibung finden Sie unter: Parkforschung Schweiz

10 Jahre UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Interview mit dem Geschäftsführer und Site Manager Harry Keel

Die Tektonikarena Sardona feiert dieses Jahr das 10-jährige Jubiläum der Einschreibung in die Welterbeliste. Ihr habt sehr viele Initiativen zum Jubiläum lanciert, insbesondere in der Vermittlung. Können Sie uns mehr darüber sagen?

Ja, wir haben einen bunten Strauss an Aktivitäten zusammengestellt. Ziel war es unter anderem, neue Zielgruppen wie Kunstinteressierte, Kinder oder auch Sportbegeisterte anzusprechen. Neben der Umsetzung diverser Kunstprojekte wurden auch ein Kinderbuch sowie ein Sardona-Song produziert und ein Erlebnislauf durchgeführt (vollständige Übersicht: www.tektonik.ch). Wichtig war uns auch, die Tektonikarena Sardona und ihre Werte über unsere Region hinaus bekannter zu machen.

Welche Initiativen haben besonders gut funktioniert? Auf welche Punkte gilt es besonders zu achten?

Die Steinreise fand eine gute Resonanz in der Bevölkerung und in den Medien. Drei Steinriesen haben andere Schweizer Welterbestätten wie die Altstadt von Bern, den Klosterbezirk in St. Gallen, die Pfahlbauten in Zürich oder auch die Bahnstrecke Albula-Bernina der RhB besucht und wurden durch die zahlreichen Begegnungen und Erlebnisse “aufgeladen”. Nun stehen die Steine an repräsentativen Standorten in den Welterbe-Gemeinden aus denen sie ursprünglich stammen und erzählen vom Erlebten. Es sind allerdings nicht alle Jubiläums-Aktivitäten gleich gut gelungen. Wir haben uns insgesamt viel zu viel vorgenommen und hatten am Schluss grosse Mühe, alle Aktivitäten angemessen zu organisieren und zu kommunizieren.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Tektonikarena Sardona in den nächsten 10 Jahren?

Die Schweizer Welterbestätten erfahren leider auch heute noch nicht die Beachtung, die sie als international bedeutsame Natur- und Kulturgüter eigentlich verdient hätten. Es fehlt nach wie vor eine griffige gesetzliche Grundlage auf Bundesebene und eine angemessene Finanzierung. Als noch junge geologische Welterbestätte, verteilt auf drei Kantone, hat die Tektonikarena Sardona die spezielle Herausforderung, in der Region die nötige Identifikation bei den zahlreichen Akteuren mit den unterschiedlichsten Interessen zu schaffen.

Global Citizenship Education: von der Theorie zur Praxis des Zusammenlebens

Anfang September 2018 fand in Seoul ein internationales Seminar zum Thema «Global Citizenship Education in Every Corner of the World: Local Contextualization of GCED» statt. Das vom Asia-Pacific Centre of Education for International Understanding (APCEIU) und den südkoreanischen Ministerien für Bildung und auswärtige Angelegenheiten in Partnerschaft mit der UNESCO organisierte Seminar legte den Schwerpunkt auf die Herausforderung, die Ziel Nr. 4.7 der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Agenda 2030 für ein Land darstellt. Die Definition von Ziel Nr. 4.7 umfasst die Global Citizenship Education (GCED, siehe unten).

Einen Höhepunkt des Seminars bildete das Referat des ehemaligen UNO-Generalsekretärs, Ban Ki-moon. Er wies darauf hin, dass GCED eine notwendige Voraussetzung für die weltweite Förderung des Friedens sei. Die Realisierung der GCED sei die optimale Lösung für eine interdependente Welt mit weniger Gewalt, mehr Respekt für die Umwelt und mehr Stabilität. In diesem Sinne führten mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Korea und anderen Ländern der Welt während zwei Tagen einen Dialog darüber, wie die GCED umgesetzt werden kann. Dabei bestehen zahlreiche Herausforderungen.

Aus den Debatten am Seminar in Seoul sind drei Punkte besonders hervorzuheben. Zuerst einmal wurde auf die Terminologie und die Schwierigkeit der Übersetzung der GCED in gewisse Sprachen hingewiesen. Schon nur im Französischen weckt die Kombination von «citoyenneté» (Bürgerschaft) und «mondiale» (weltweit) grosse Vorbehalte oder sogar Widerstände. Der Begriff der Bürgerschaft und die damit verbundenen Privilegien sind immer noch an einen nationalen Territorialraum gebunden. Die Ausdehnung auf die ganze Welt ist für viele eine Utopie.

Auch die Definition von Ziel 4.7 der Agenda 2030, die gestützt auf die Erklärung von Incheon – insbesondere auf Abschnitt 9 mit dem Konzept der guten Bildung – vom Mai 2015 aufgestellt wurde, stellt die GCED vor Herausforderungen. Sie lautet:

«Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung.»

Obwohl diese Definition im Aktionsrahmen zur Umsetzung von SDG 4 näher erläutert wird, erscheint sie etwas zu weit gefasst, um in die erzieherische und pädagogische Praxis umgesetzt zu werden.

Aufgrund dieser weit gefassten Definition ist auch deren Evaluation sehr schwierig. In den Diskussionen am Seminar von Seoul wurde unter anderem auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Unterschiede zwischen «globalen Kompetenzen» und «Kompetenzen im Bereich der Global Citizenship Education» zu klären.

Die Schweizerische UNESCO-Kommission präsentierte am Seminar ein Poster, das ihre Überlegungen und Erfahrungen auf nationaler Ebene zusammenfasst. Obwohl das dezentrale Bildungssystem ein klarer Vorteil ist, wird die explizite und verbindliche Integration der GCED in den Lehrplan Zeit brauchen. Nichtformale und informelle Bildungsinitiativen, die insbesondere von NGO und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren unterstützt werden, darunter auch Solidaritätsprojekte von lokalen Akteuren des Schulsystems, können interessante Möglichkeiten zur Operationalisierung der GCED in der Schweiz eröffnen.

Abdeljalil Akkari, Mitglied der Schweizerischen UNESCO-Kommission

Weitere Informationen: