Welttag des audiovisuellen Erbes 2019

Die UNESCO hat den 27. Oktober zum Welttag des audiovisuellen Erbes erklärt. Unter dem diesjährigen Motto «Engage the Past Through Sounds and Images» wird an diesem Tag weltweit auf die Bedeutung von Bildern und Tönen aufmerksam gemacht.

In der Schweiz koordiniert Memoriav in Abstimmung mit der Schweizerischen UNESCO-Kommission die Projekte aller Einrichtungen, die ihre audiovisuellen Archive an diesem Tag ins Rampenlicht rücken möchten. Immer mehr Schweizer Institutionen mit Ton- und Bildsammlungen mobilisieren sich für den Welttag des audiovisuellen Erbes und machen auf ein reichhaltiges und schützenswertes Kulturgut aufmerksam.

Konferenzen, Screenings, Tag der offenen Tür, Workshops, Ausstellungen oder Home Movie Day – entdecken Sie die rund um den 27. Oktober in der ganzen Schweiz organisierten Veranstaltungen!

70 Jahre UNESCO in der Schweiz: Den Geist der UNESCO zu feiern bedeutet, den Frieden zu pflegen

Vor hundert Jahren endete der Erste Weltkrieg nach mehr als vier Jahren unsäglichen Leidens und Blutvergiessens, die die Menschheit – in den Worten des IKRK – auseinandergerissen haben. Vor achtzig Jahren bahnte sich dann der Zweite Weltkrieg an, in dem die Menschheit wieder von Hass und Gewalt heimgesucht werden würde. Es lohnt sich, zurückzublicken und sich in Erinnerung zu rufen, dass die Schweiz in diesen Momenten die Bestätigung ihrer Neutralität erwirken würde, was sich auch in der Wahl von Genf zum Sitz des Völkerbundes widerspiegelt. Eine Neutralität, deren künftige Fortdauer der Schweiz zugesichert wurde, um ihre humanitäre Tradition und ihre Kompetenz im Bereich der guten Dienste zu unterstützen.

Vor siebzig Jahren – 1948 – verabschiedete die UNO die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte und ein Jahr später wurden die Genfer Konventionen unterzeichnet. Aufgrund dieser Dynamik trat die Schweiz 1949 auch der UNESCO, der Organisation der Vereinten Nationen für Bildung, Wissenschaft und Kultur, bei und rief eine nationale UNESCO-Kommission ins Leben, die 2019 ihr 70-jähriges Bestehen feiern wird. Es lohnt sich, diese Momente in Erinnerung zu rufen, als die Schweiz zwar neutral war, sich aber in der internationalen Gemeinschaft engagierte für die Förderung des Bewusstseins unserer gemeinsamen Menschheit, für die Verwirklichung der Menschenwürde, die jeder und jedem zusteht, und für einen nachhaltigen Frieden, den jeder Mensch anstreben darf.

Den damaligen Willen wollen wir heute würdigen, indem wir in diesen Zeiten der Unsicherheit, der Angst, der Abschottung und des sich ausbreitenden Relativismus nicht bloss die Erinnerung daran aufrechterhalten, sondern uns für den freien Meinungsaustausch und die intellektuelle Zusammenarbeit stark machen. Im Sinne der Weltbürgerschaft organisieren wir vom 17. bis 21. Juni 2019 im Herzen der Bundeshauptstadt eine UNESCO-Woche. Ein speziell gestaltetes Areal auf dem Waisenhausplatz wird Gelegenheit bieten, die UNESCO und ihre Arbeit kennenzulernen, und gleichzeitig als Begegnungsort für all jene dienen, die die UNESCO in der Schweiz unterstützen und mittragen. Die Schweizerische UNESCO-Kommission freut sich bereits heute auf Ihren Besuch und wünscht Ihnen schöne Feiertage.

#70SwissUNESCO

Nicolas Mathieu
Generalsekretär der Schweizerischen UNESCO-Kommission

Offizielle Lancierung des UNESCO-Weltbildungsberichts 2019

Am 20. November 2018 wurde im Weltsaal des Auswärtigen Amts in Berlin, und somit zum ersten Mal in Deutschland, der UNESCO-Weltbildungsberichts in Anwesenheit der Generaldirektorin der UNESCO, Audrey Azoulay, vorgestellt. Schwerpunkte des Berichts sind Migration, Flucht und Bildung, wobei das Recht auf Bildung den roten Faden der Veranstaltung bildete.

Obwohl vor 70 Jahren das Recht auf Bildung in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte verankert wurde, ist heute noch vielen Migranten das Recht auf Bildung verwehrt, und dies zu einer Zeit in welcher so viele Menschen auf der Flucht sind wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr.

Zum Auftakt kündigte Martin Jäger, Staatssekretär des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung an, dass Deutschland seinen Beitrag für Education Cannot Wait verdoppeln wird, da die Bundesregierung überzeugt ist, dass Bildung den Schlüssel für die Entwicklung des Einzelnen, sowie der ganzen Gesellschaft, darstellt.

Die Präsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission, Maria Böhmer, unterstrich, dass Bildung die wichtigste Ressource unserer Gesellschaft ist, und dass der Weltbildungsbericht den dringenden Handlungsbedarf aufzeigt, um das Bildungsziel SDG 4 bis 2030 zu erreichen. Volker Türk, Beigeordneter Flüchtlingskommissar für Schutzfragen, UNHCR, wies darauf hin, dass Flüchtlinge stets Zugang zu einer guten Bildung und die Aufnahme in nationale – und nicht parallele – Bildungssysteme fordern.

Der Bericht wirbt für die Notwendigkeit, in die Bildung von Migranten und Flüchtlingen zu investieren, und Partnerschaften – nicht nur mit dem UNO-System, sondern auch mit Regierungen, zivilgesellschaftlichen Gruppen, dem privaten Sektor, etc. – auszubauen. So soll eine Investition in Flüchtlinge auch als Investition in Aufnahmegemeinschaften und in die Stabilität eines Landes gesehen werden.

Die Resultate des Berichts – i. e. über die Auswirkungen der Migrationsströme auf die Bildung und über die Bedürfnisse der Migranten und Flüchtlinge – wurden von Manos Antoninis, Direktor des Weltbildungsberichts, vorgestellt. Er betonte, dass Bildung Migrationsströme prägt, denn je höher die Bildung, desto grösser die Wahrscheinlichkeit zu emigrieren und desto grösser die Offenheit gegenüber Migration. Antoninis zählte die 7 Empfehlungen des Berichts auf:

  • Das Recht von Migranten und Flüchtlingen auf Bildung schützen;
  • Migranten und Flüchtlinge in nationale Bildungssysteme einbinden;
  • Bildungsbedürfnisse von Migranten und Flüchtlingen erfassen und in die Planung einbeziehen;
  • Die Geschichte von Migration und Flucht im Unterricht richtig darstellen, um Vorurteile zu hinterfragen;
  • Lehrkräfte von Migranten und Flüchtlingen auf Vielfalt und Härten vorbereiten;
  • Das Potential von Migranten und Flüchtlingen nutzen;
  • Bildungsbedürfnisse von Migranten und Flüchtlingen in der Humanitären Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit fördern.

Zuletzt wies er auf die erheblichen Ungleichheiten, welche heutzutage in der Welt existieren, hin. So haben z.B. 2014-2017 weltweit 49% die Oberstufe abgeschlossen, wobei dies in Niedrigeinkommensländer nur 18% waren und bei den ärmsten Mädchen nur 1%.

Call for Projects: Forschungsförderung im Rahmen des internationalen UNESCO-Programms “Man and the Biosphere”

Im Rahmen des internationalen UNESCO-Programms „Man and Biosphere“ besteht ab sofort die Möglichkeit, Vorschläge zur Förderung neuer Forschungsprojekte in Schweizerischen und Österreichischen Biosphärenreservaten einzureichen.

Die Forschungsvorhaben sollen dabei in wissenschaftlich innovativer und integrativer Weise sowohl neue Strategien für nachhaltige Entwicklungen in Biosphärenreservaten ermöglichen, als auch zu neuen Erkenntnissen zum praktischen Management von Biosphärenreservaten beitragen.
Die Anträge in englischer Sprache können mit dem Antragsformular ab sofort und noch bis zum 3. Februar 2019 eingereicht werden, anschliessend entscheidet ein internationales Begutachtungsverfahren über die Projektvergabe.

Sämtliche Details zur Ausschreibung finden Sie unter: Parkforschung Schweiz

10 Jahre UNESCO-Welterbe Tektonikarena Sardona: Interview mit dem Geschäftsführer und Site Manager Harry Keel

Die Tektonikarena Sardona feiert dieses Jahr das 10-jährige Jubiläum der Einschreibung in die Welterbeliste. Ihr habt sehr viele Initiativen zum Jubiläum lanciert, insbesondere in der Vermittlung. Können Sie uns mehr darüber sagen?

Ja, wir haben einen bunten Strauss an Aktivitäten zusammengestellt. Ziel war es unter anderem, neue Zielgruppen wie Kunstinteressierte, Kinder oder auch Sportbegeisterte anzusprechen. Neben der Umsetzung diverser Kunstprojekte wurden auch ein Kinderbuch sowie ein Sardona-Song produziert und ein Erlebnislauf durchgeführt (vollständige Übersicht: www.tektonik.ch). Wichtig war uns auch, die Tektonikarena Sardona und ihre Werte über unsere Region hinaus bekannter zu machen.

Welche Initiativen haben besonders gut funktioniert? Auf welche Punkte gilt es besonders zu achten?

Die Steinreise fand eine gute Resonanz in der Bevölkerung und in den Medien. Drei Steinriesen haben andere Schweizer Welterbestätten wie die Altstadt von Bern, den Klosterbezirk in St. Gallen, die Pfahlbauten in Zürich oder auch die Bahnstrecke Albula-Bernina der RhB besucht und wurden durch die zahlreichen Begegnungen und Erlebnisse “aufgeladen”. Nun stehen die Steine an repräsentativen Standorten in den Welterbe-Gemeinden aus denen sie ursprünglich stammen und erzählen vom Erlebten. Es sind allerdings nicht alle Jubiläums-Aktivitäten gleich gut gelungen. Wir haben uns insgesamt viel zu viel vorgenommen und hatten am Schluss grosse Mühe, alle Aktivitäten angemessen zu organisieren und zu kommunizieren.

Welche Herausforderungen sehen Sie für die Tektonikarena Sardona in den nächsten 10 Jahren?

Die Schweizer Welterbestätten erfahren leider auch heute noch nicht die Beachtung, die sie als international bedeutsame Natur- und Kulturgüter eigentlich verdient hätten. Es fehlt nach wie vor eine griffige gesetzliche Grundlage auf Bundesebene und eine angemessene Finanzierung. Als noch junge geologische Welterbestätte, verteilt auf drei Kantone, hat die Tektonikarena Sardona die spezielle Herausforderung, in der Region die nötige Identifikation bei den zahlreichen Akteuren mit den unterschiedlichsten Interessen zu schaffen.

Global Citizenship Education: von der Theorie zur Praxis des Zusammenlebens

Anfang September 2018 fand in Seoul ein internationales Seminar zum Thema «Global Citizenship Education in Every Corner of the World: Local Contextualization of GCED» statt. Das vom Asia-Pacific Centre of Education for International Understanding (APCEIU) und den südkoreanischen Ministerien für Bildung und auswärtige Angelegenheiten in Partnerschaft mit der UNESCO organisierte Seminar legte den Schwerpunkt auf die Herausforderung, die Ziel Nr. 4.7 der Ziele für nachhaltige Entwicklung (SDG) der Agenda 2030 für ein Land darstellt. Die Definition von Ziel Nr. 4.7 umfasst die Global Citizenship Education (GCED, siehe unten).

Einen Höhepunkt des Seminars bildete das Referat des ehemaligen UNO-Generalsekretärs, Ban Ki-moon. Er wies darauf hin, dass GCED eine notwendige Voraussetzung für die weltweite Förderung des Friedens sei. Die Realisierung der GCED sei die optimale Lösung für eine interdependente Welt mit weniger Gewalt, mehr Respekt für die Umwelt und mehr Stabilität. In diesem Sinne führten mehrere hundert Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Korea und anderen Ländern der Welt während zwei Tagen einen Dialog darüber, wie die GCED umgesetzt werden kann. Dabei bestehen zahlreiche Herausforderungen.

Aus den Debatten am Seminar in Seoul sind drei Punkte besonders hervorzuheben. Zuerst einmal wurde auf die Terminologie und die Schwierigkeit der Übersetzung der GCED in gewisse Sprachen hingewiesen. Schon nur im Französischen weckt die Kombination von «citoyenneté» (Bürgerschaft) und «mondiale» (weltweit) grosse Vorbehalte oder sogar Widerstände. Der Begriff der Bürgerschaft und die damit verbundenen Privilegien sind immer noch an einen nationalen Territorialraum gebunden. Die Ausdehnung auf die ganze Welt ist für viele eine Utopie.

Auch die Definition von Ziel 4.7 der Agenda 2030, die gestützt auf die Erklärung von Incheon – insbesondere auf Abschnitt 9 mit dem Konzept der guten Bildung – vom Mai 2015 aufgestellt wurde, stellt die GCED vor Herausforderungen. Sie lautet:

«Bis 2030 sicherstellen, dass alle Lernenden die notwendigen Kenntnisse und Qualifikationen zur Förderung nachhaltiger Entwicklung erwerben, unter anderem durch Bildung für nachhaltige Entwicklung und nachhaltige Lebensweisen, Menschenrechte, Geschlechtergleichstellung, eine Kultur des Friedens und der Gewaltlosigkeit, Weltbürgerschaft und die Wertschätzung kultureller Vielfalt und des Beitrags der Kultur zu nachhaltiger Entwicklung.»

Obwohl diese Definition im Aktionsrahmen zur Umsetzung von SDG 4 näher erläutert wird, erscheint sie etwas zu weit gefasst, um in die erzieherische und pädagogische Praxis umgesetzt zu werden.

Aufgrund dieser weit gefassten Definition ist auch deren Evaluation sehr schwierig. In den Diskussionen am Seminar von Seoul wurde unter anderem auf die Notwendigkeit hingewiesen, die Unterschiede zwischen «globalen Kompetenzen» und «Kompetenzen im Bereich der Global Citizenship Education» zu klären.

Die Schweizerische UNESCO-Kommission präsentierte am Seminar ein Poster, das ihre Überlegungen und Erfahrungen auf nationaler Ebene zusammenfasst. Obwohl das dezentrale Bildungssystem ein klarer Vorteil ist, wird die explizite und verbindliche Integration der GCED in den Lehrplan Zeit brauchen. Nichtformale und informelle Bildungsinitiativen, die insbesondere von NGO und anderen zivilgesellschaftlichen Akteuren unterstützt werden, darunter auch Solidaritätsprojekte von lokalen Akteuren des Schulsystems, können interessante Möglichkeiten zur Operationalisierung der GCED in der Schweiz eröffnen.

Abdeljalil Akkari, Mitglied der Schweizerischen UNESCO-Kommission

Weitere Informationen:

Immaterielles Kulturerbe, Museumsprojekte und urbanisierte Gesellschaften

Museen sollen noch vermehrt zu Orten des gesellschaftlichen Dialogs werden, sollen konfrontieren und dekonstruieren, zu Kreativität und Partizipation anregen und mithelfen, gesellschaftliche Visionen zu entwickeln. Dies das Fazit einer internationalen Expertentagung vom September in Bern.

Die UNESCO hat vor bald 50 Jahren einen Fokus auf Kultur- und Naturerbe und, angestoßen von Indigenenbewegungen, erst 2003 auf das immaterielle Kulturerbe (IKE) gesetzt. Was ist immaterielles Kulturerbe? Darunter werden vor allem soziale Praktiken und gemeinschaftliche Konzepte verstanden, aber auch besondere Kenntnisse und Fähigkeiten. Im Unterschied zu den Denkmälern des Kulturerbes verändert sich jedoch immaterielles Kulturerbe ständig und es muss immer wieder daran erinnert werden, dass z.B. in Mitteleuropa nach tiefgreifenden gesellschaftlichen Veränderungen bereits im 19. Jahrhundert viele Traditionen gerade im urbanen Kontext wiederbelebt wurden. Auch Instrumente, Artefakte und das sogenannte objet témoin gehören laut Definition des UNESCO-Abkommens zum immateriellen Kulturerbe, Zeugen, die vermehrt in Museen als Teil des mehr oder weniger kollektiven Gedächtnisses bedeutend sind.

In der Schweiz wird das immaterielle Kulturerbe auch als lebendige Traditionen bezeichnet und Traditionen sind Ausdruck von Erfahrungen, welche heutigen und kommenden Gemeinschaften das Fortbestehen erleichtern sollten. Das versuchen auch Museen, indem sie durch das Verstehen von durch Artefakte belegter Geschichte und Geschichten gesellschaftliche Erfolge und Fehlleistungen aufzeigen und damit das Rüstzeug anbieten, um die Zukunft besser zu bewerkstelligen. Urbanisierte Gesellschaften – dazu gehören immer mehr auch Menschen in ländlichen Räumen – zu Schnelllebigkeit, zunehmender Mobilität und zu Beschleunigung tendierend, sind besonders auf diese vertiefende Zeitachse angewiesen.

“Immaterielles Kulturerbe, Museumsprojekte und urbanisierte Gesellschaften (IMP and urbanised societies)”, das Thema einer internationalen Expertentagung im September in Bern, machte denn auch diese Herausforderungen deutlich. Wie können kulturelle Praktiken, geteiltes Wissen und Fähigkeiten, die kulturelle Teilhabe an sich gefördert werden und sich dem schnellen Wandel stellen? Und wie können sie sich gezielt anpassen, um in sich verändernden Gemeinschaften und Gruppen, gemeinsame Werte, gesellschaftliche Normen und Identitäten zu fördern und den sozialen Zusammenhalt und die gesellschaftliche Zusammengehörigkeit stärken?

Museen können ihrer Aufgabe in diesem Zusammenspiel nur gerecht werden, wenn sie wirklich Orte des gesellschaftlichen Dialogs werden und ihren Platz in Bildung und lebenslangem Lernen behaupten. Sie müssen konfrontieren und dekonstruieren, zu Kreativität und Partizipation anregen und vielleicht sogar mithelfen, gesellschaftliche Visionen zu entwickeln. Der kulturgemeinschaftliche Alltag findet in seiner vollen Lebendigkeit, ständiger Veränderung und hoffentlich gesellschaftlicher Vielfalt jedoch dann ausserhalb von Museen statt.

Thomas Psota, Mitglied der Schweizerischen UNESCO-Kommission

Erstes «Memory of the World»-Treffen in der Schweiz

Am 12. Juni 2018 hat die Schweizerische UNESCO-Kommission das erste Treffen mit den Verantwortlichen der im UNESCO-Register des Weltdokumentenerbes eingetragenen Bestände der Schweiz durchgeführt. Ziel dieses UNESCO-Programms ist es, das dokumentarische Erbe der Menschheit zu sichern und zu schützen (namentlich durch Digitalisierung) und durch Sensibilisierungskampagnen auf seine Bedeutung hinzuweisen.

Das Programm umfasst ein Register, in das Dokumente aufgenommen werden, die von internationalem Interesse sind und einen universellen Charakter haben. Von der Schweiz wurden bisher fünf Bestände aufgenommen:

  • Sammlungsbestände Jean-Jacques Rousseau in Genf und Neuenburg (aufgenommen 2011)
  • Audiovisuelles Erbe des Montreux Jazz Festivals (aufgenommen 2013)
  • Bibliotheca Bodmeriana , 1916–1971 (aufgenommen 2015)
  • Erklärungen der indigenen Völker in der UNO 1982–2015, verwaltet von Docip (aufgenommen 2017
  • Dokumentarisches Erbe der Abtei St. Gallen im Archiv der Abtei und in der Stiftsbibliothek St. Gallen (aufgenommen 2017)

Die Schweizer Bestände in diesem Register sind sehr vielfältig, nicht nur in Bezug auf ihre Trägermedien, die von Papyrus bis zu Tonaufzeichnungen reichen, sondern auch hinsichtlich Themen und Inhalten. Diese grosse Vielfalt ist eine Bereicherung und verdient besondere Beachtung. Zwischen den verschiedenen Beständen lassen sich Übereinstimmungen finden, die es erlauben, echte Synergien zu schaffen und Verbindungen zwischen Epochen, Orten und Themen herzustellen.

An diesem ersten Treffen nahmen die Verantwortlichen des im UNESCO-Register eingetragenen Dokumentenerbes teil. Neben dem gegenseitigen Kennenlernen ermöglichte es auch eine erste Kontaktaufnahme zwischen den Teilnehmenden und der Kommission. Die Schweizerische UNESCO-Kommission stellte erfreut fest, dass die Teilnehmenden nicht nur ein grosses Interesse an einer Zusammenarbeit mit der Kommission, sondern auch untereinander, haben, um in der Schweiz ein Netzwerk mit dem Label «Memory of the World» aufzubauen. Die Ausarbeitung von Werbematerial – analog zu demjenigen der Welterbestätten in der Schweiz (Broschüre) – stiess ebenfalls auf Zustimmung.

Eine weitere Sitzung ist noch vor Ende Jahr geplant. Als nächstes steht die Integration von Beständen an, die sich zwar auf Schweizer Boden befinden, die aber auf Initiative internationaler Institutionen oder Organisationen ins Register aufgenommen wurden.
Es handelt sich hier um:

  • das Archiv der Internationalen Zentralstelle für Kriegsgefangene, 1914–1923 (aufgenommen 2007 auf Antrag des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz)
  • das Archiv des Völkerbunds 1919–1946 (aufgenommen 2009 auf Antrag des Büros der Vereinten Nationen in Genf)
  • Dokumente aus dem Programm zur Ausrottung der Pocken (aufgenommen 2017 auf Antrag der Weltgesundheitsorganisation)

Die Schweizerische UNESCO-Kommission freut sich bereits heute über die Zusammenarbeit mit ihren neuen Partnern, die auch schon ihr Interesse an einer Vernetzung in der Schweiz bekundet haben. Dies deutet auf interessante Diskussionen und ein Potenzial für neue und spannende Projekte hin.

Weitere Informationen zum Programm «Memory of the World» finden Sie hier. 

70 Jahre Jubiläum der Schweizerischen UNESCO-Kommission

70 Jahre Jubiläum der Schweizerischen UNESCO-Kommission und des Beitritts der Schweiz zur UNESCO – Save the Date
17.-20. Juni 2019, Bern

 

2019 feiert die Schweizerische UNESCO-Kommission das 70 Jahre Jubiläum ihrer Gründung. Der Geburtstag bietet die Möglichkeit, einen Blick auf die aktuellen Herausforderungen der UNESCO in ihren Kompetenzbereichen (Bildung, Wissenschaft, Kultur und Kommunikation/Information) zu werfen sowie auf die Relevanz der Werte, welche von der Organisation vertreten werden.

2019 stellt gleichzeitig auch das 70 Jahre Jubiläum des Beitritts der Schweiz zur UNESCO dar. Dass die Schweiz bereits 1949 der UNESCO beigetreten ist, unterstreicht, wie sehr sich die Schweiz in der einzigartigen Rolle und Mission der UNESCO wiedergefunden hat. Eine Mission, welche sich der Erhaltung und Förderung des Friedens durch intellektuelle Zusammenarbeit verschrieben hat.

Das gesamte UNESCO-Netzwerk in der Schweiz wird zu diesem Anlass eingeladen werden, welcher vom 17. bis 20. Juni 2019 in Bern stattfinden wird. Der Anlass wird öffentlich sein.

Wir bitten Sie, sich das Datum zu reservieren! Weitere Informationen werden wir Ihnen zu einem späteren Zeitpunkt mitteilen.

Treffen der Schweizer UNESCO-Lehrstühle im World Nature Forum

Am 4. Mai 2018 haben sich die sieben UNESCO-Lehrstühle der Schweiz im World Nature Forum (Naters, Wallis) getroffen. Bei diesem Treffen berichteten die Chairholders über ihre Tätigkeiten und Projekte und es wurden Möglichkeiten nationaler und internationaler Kooperationen zwischen den Lehrstühlen diskutiert.

Das Programm UNESCO Chairs und UniTWIN (University twinning and networking) wurde 1992 auf Beschluss der UNESCO-Generalkonferenz ins Leben gerufen. Es hat zum Ziel, die internationale Zusammenarbeit – insbesondere Nord-Süd-Kooperationen zwischen Universitäten, Hochschulen und Forschungseinrichtungen – zu fördern und zu stärken. Die Lehrstühle verpflichten sich dabei, über die «Grenzen» ihres Fachgebiets hinauszugehen und in ihrer Forschungstätigkeit einen Bezug zu den globalen Herausforderungen herzustellen.

An diesem ersten Treffen seit 2013 wurden die Grundlagen für eine bessere Vernetzung der Schweizer Lehrstühle und einen verstärkten Austausch diskutiert, nicht nur zwischen Lehrstühlen und Kommission, sondern auch unter den einzelnen Lehrstühlen. Die Lehrstühle bekundeten grosses Interesse an der Durchführung einer jährlichen Sitzung, an der sie die anstehenden Herausforderungen – auch in Bezug auf die Beziehungen zur UNESCO in Paris – diskutieren und Informationen austauschen können. Ein weiteres Thema war die Möglichkeit thematischer Treffen, an welchen die Lehrstühle Komplementaritäten und Gemeinsamkeiten in spezifischen Bereichen hervorheben können. Die Schweizer Lehrstühle decken ein breites Themenspektrum von der Hydrologie über den Kulturgüterschutz bis zu Demokratie und Fernstudium ab.

Des Weiteren wurden Möglichkeiten zur Aufwertung der Arbeit der Lehrstühle und ihres Know-how besprochen. Die Kommission möchte im Rahmen ihrer Möglichkeiten relevante Inhalte für die externe Kommunikation des UNITWIN-Programms und der Schweizer Lehrstühle über die bestehenden Kommunikationskanäle, d. h. Website und soziale Medien, entwickeln. Auch hier zeigten sich die Lehrstühle interessiert und bereit, bei der Erarbeitung der entsprechenden Inhalte mitzuwirken.

Das Treffen endete mit einer Führung durch das World Nature Forum und dessen interaktive Ausstellung zur Welterbestätte Jungfrau-Aletsch. Die Ausstellung zeigt die wirtschaftlichen, ökologischen und kulturellen Herausforderungen, mit denen die Berggebiete konfrontiert sind.

Die Schweizerische UNESCO-Kommission dankt den Lehrstühlen für ihre aktive Teilnahme und freut sich auf die weitere Zusammenarbeit.

Weitere Informationen zu den UNESCO-Lehrstühlen in der Schweiz finden Sie unter diesem Link.